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Der Warschauer Königsweg. Den muss man gesehen haben!

Beitragsbild © City of Warsaw

Die schönste Allee in Warschau

Der Königsweg in Warschau erstreckt sich vor allem entlang der Straßen Krakowskie Przedmiescie, Nowy Swiat sowie Aleje Ujazdowskie. Die letztgenannte beherbergt unzählige Botschaften sowie einige Regierungsgebäude wie den Sejm oder die Kanzlei des Premierministers. Die Nowy-Swiat-Straße bezeichnet man auch als das längste Restaurant in Warschau, da sich dort alles nur ums Essen und Trinken dreht. Die Krakowskie-Przedmiescie-Straße schließlich ist eine der bekanntesten Straßen in Polen sowie die schönste Allee in Warschau. Wenn man mindestens einen Tag in der Stadt verbringt, muss man sie unbedingt besichtigen.

Krakowskie Przedmiescie heißt auf deutsch Krakauer Vorstadt. Der Name geht zurück auf den Platz vor der St.-Anna-Kirche in der Nähe des Schlossplatzes, den man so genannt hatte, weil es die Bernhardiner aus Krakau waren, die hier 1454 die erste steinerne Kirche erbauen ließen. Grundsätzlich benutzen die Stadtführer die Bezeichnung Königsweg für genau diesen Abschnitt. Die polnische Straßenbezeichnung kann man sich einfach nicht merken und schon gar nicht bekannt machen. So machen es auch wir!

Im Norden grenzt der Königsweg in Warschau an die Altstadt, die 1980 in die Weltkulturerbeliste der UNESCO eingetragen wurde.

Was gibt es hier zu sehen? Ein Spaziergang

Der Königsweg hat mit Abstand die höchste Dichte an Sehenswürdigkeiten in Warschau. Auf der ganzen Länge von 1,1 Kilometern werden dem Gast historische Gebäude und Kirchen sowie ein ganzes Stück polnischer Geschichte angeboten. Nachfolgend möchten wir die wichtigsten von ihnen vorstellen. Wir beginnen am Kopernikus-Denkmal, welches vor der Polnischen Akademie der Wissenschaften steht. Hier beginnen wir unseren Überblick, hier beginnen wir auch unsere Stadtführung und Tour entlang des Königsweges. 

Zum Nachlesen  Die Sigismundsäule auf dem Schlossplatz in Warschau

Nikolaus-Kopernikus-Denkmal

Das Denkmal des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen 1770-1844) stellt den sitzenden Nikolaus Kopernikus dar. In der rechten Hand hält er einen Zirkel und in der linken Hand eine Armillarsphäre, auch Weltmaschine genannt. Die Bronzefigur ist 2,8 Meter hoch und wurde 1822 geschaffen. Ursprünglich sollte das Denkmal in Nikolaus´ Geburtsstadt Thorn aufgestellt werden. In dem frisch restaurierten Gebäude hinter Kopernikus präsentiert sich in voller Pracht die Polnische Akademie der Wissenschaften. Schauen Sie auch mal auf den Boden: dort werden Sie gewölbte Kreise erkennen, die leicht aus dem Boden ragen. Das sind die Planeten, die um die Sonne kreisen.

Gut zu wissen: Schauen Sie auf den Boden um das Denkmal herum. Dort ist das Sonnensystem verewigt. Und ja: die Sonne … ich meine … die Erde kreist natürlich um die Sonne! 

 Canaletto-Würfel

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Canaletto-Würfel auf der Krakowskie-Przedmiescie-Straße

In vielen Reiseführern kann man nachlesen, dass die Warschauer Altstadt dank der Veduten von Canaletto wiedererrichtet wurde. Leider ist es so, dass Canaletto die Altstadt nie von innen gesehen geschweige denn betreten hat. Womöglich zählen die Verleger die Promenade zur Altstadt. Das sind jedoch zwei voneinander getrennte Abschnitte und Stadtteile. Canaletto hat vor allem Paläste, Kirchen und Panoramen gemalt. Diese haben tatsächlich zur Rekonstruktion einiger Gebäude beitragen können. Die Altstadt zählt nicht dazu.

Für seine detailreichen Malereien ist ihm die Stadt zu Dank verpflichtet, auch wenn er nicht ahnen konnte, wieso er hier so berühmt werden würde. Deshalb wurden entlang der Krakowskie-Przedmiescie-Straße sogenannte Canaletto-Würfel aufgestellt. Jeder Würfel zeigt eines seiner Meisterwerke, welche man im Original im Königsschloss betrachten kann.

Der erste Würfel liegt nur ein paar Meter vor dem Kopernikus-Denkmal entfernt.

Canaletto hieß eigentlich Bernardo Bellotto (1722-1780) und kam ursprünglich aus Venedig. Von 1764 bis zu seinem Tod war er am Hof des letzten Königs von Polen Stanislaw August Poniatowski tätig. Sein Grab befindet sich auf dem berühmten Powazki-Friedhof.

TIPP: Im Museum des Warschauer Königsschlosses, welches sich direkt neben der Altstadt befindet, gibt es eine Ausstellung mit Canalettos Malereien.

Hl.-Kreuz-Kirche

Die erste Kirche wurde hier schon 1525 aufgestellt. Die heutige Form erhielt sie jedoch erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eigentümer des Gebetshauses sind die Lazaristen – auch Vinzentiner genannt – ein katholischer Männerorden, der 1625 vom hl. Vinzenz von Paul gegründet wurde. Während des 2. Weltkrieges wurde vor allem der nördliche Turm völlig zerstört. Der Wiederaufbau wurde 1953 abgeschlossen.

2002 erhob Johannes Paul II. die Hl.-Kreuz-Kirche zur basilica minor.

TIPPIn der Kirche befindet sich das Herz von Frédéric Chopin. Es wurde nach seinem Tod in Paris 1849 in eine Urne mit Alkohol gelegt und von seiner älteren Schwester Ludwika unbemerkt über die Grenze nach Warschau gebracht und an den Orden übergeben. Der Behälter wurde in der ersten Säule auf der linken Seite eingemauert.

Universität Warschau

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Haupteingang der Universität Warschau

Die Universität wurde am 19. November 1816 vom russischen Zaren und zugleich polnischem König (Personalunion) Aleksander I. gegründet. In der Zwischenzeit trug sie verschiedene Namen wie Königliche Universität Warschau, Kaiserliche Universität Warschau oder auch Jozef-Pilsudski-Uniwersytet. Aufgrund zahlreicher nationaler Aufstände wurde sie mehrmals geschloßen. Das erste Mal 1831 nach dem Novemberaufstand und natürlich während des 2. Weltkrieges.

Heute ist sie eine der größten Universitäten Polens mit ca. 42 500 Studenten, wovon knapp 4 900 aus dem Ausland kommen (Daten stammen vom Rektorat der Universität).

Bisher studierten an der Warschauer Universität 6 Nobelpreisträger:

  • Henryk SienkiewiczLiteraturnobelpreis 1905 für sein Lebenswerk. Autor des Werkes Quo Vadis?.
  • Menachem Begin, ehemaliger Ministerpräsident und Außenminister Israels – Friedensnobelpreis 1978 für den Friedensschluss mit Ägypten (zusammen mit Muhammad Anwar as-Saddat).
  • Czeslaw Milosz –  Dichter. Literaturnobelpreis 1980.
  • Joseph Rotblat – Physiker und Radiologe, geboren in Warschau. War anfangs an der Entwicklung der ersten Atombombe beteiligt, verließ jedoch das Projekt. Später setzte er sich intensiv für die Abschaffung aller Atombomben ein. Friedensnobelpreis 1995.
  • Leonid Hurwicz – verbrachte seine Kindheit und die Studienzeit in Warschau. 2007 Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gemeinsam mit Eric Maskin und Roger Myerson für die Arbeit beim Entwurf ökonomischer Mechanismen.
  • Olga Tokarczuk – Schriftstellerin, hat an der Universität Warschau Psychologie mit einem Magister abgeschlossen. Literaturnobelpreis 2019. 

Der Hauptkampus an der Krakowskie-Przedmiescie-Straße hat eine Fläche von 55 000 Quadratmetern.krakowskie-przedmiescie-warschau

Über dem Eingang hängt heute der Polnische Adler mit einer Krone umgeben von fünf Sternen. Die Sterne stehen für die ersten fünf Fakultäten Recht (und Verwaltung), Medizin, Philosophie, Theologie und Bildende Künste. Anfangs hatte der Adler zwei Köpfe, diejenigen der Romanovs aus Russland. Die polnischen Studenten betraten damals die Universität durch den weiter südlich gelegenen Nebeneingang, um sich nicht vor dem erdrückenden russischen Adler beugen zu müssen. Nach dem Abzug der Russen 1915 wollte man jeweils einen Kopf abhacken, jedoch sind stattdessen die Deutschen in Warschau einmarschiert und die hatten dummerweise ebenfalls einen Doppelkopfadler. Also musste man nochmals warten. 1918 waren dann endlich alle weg, sodass man sich an die Arbeit machen konnte.

Die polnischen Studenten betraten den Kampus oftmals durch den weiter südlich gelegenen Nebeneingang, um sich nicht vor dem erdrückenden russischen Adler beugen zu müssen.

Akademie der Bildenden (Schönen) Künste

Auf der gegenüberliegenden Seite im wunderschönen Czapski-Palais befindet sich die Akademie der Bildenden Künste, die älteste und renomierteste Kunsthochschule in Polen.

Der Palast wurde während des 2. Weltkrieges zerstört und bis 1959 wiedererrichtet.

Im südlichen Seitenflügel befand sich bis 2014 der Chopin-Salon. Es war ein rekonstruierter Teil der Wohnung der Familie Chopin, welche hier im Juni 1827 ihre Wohnung bezog. Frédéric Chopin wohnte hier bis zum 2. November 1830. An jenem Tag verließ er Warschau – noch nicht wissend, dass es für immer sein werde!

Auf dem Foto erkennt man das Denkmal von Bartolomeo Colleoni auf seinem Pferd. Diejenigen, die schon in Venedig waren, werden das Original von 1496 wiedererkennen. Diese Kopie ist allerdings die Kopie der Kopie, welche in Stettin steht. Nach dem Krieg zwang man Stettin der Stadt Warschau die Reiterstatue zu schenken. Nach 1990 „erzwang“ man außergerichtlich die Rückgabe des Originals der Kopie.

Visitantinnen-Kirche

Diese Kirche ist eine wahre und wohl auch einzige Perle des Spätbarock in Warschau. Hier sind die Visitantinnen ansässig, welche in der Klausur leben. Fertiggestellt wurde die Kirche im Jahre 1761 und steht unverändert bis heute. Auch den 2. Weltkrieg hat sie unbeschadet überstanden. Es lohnt sich diese Kirche auch mal von innen zu besichtigen.

Das Grab des Unbekannten Soldaten und Pilsudski-Platz

Auf dem großen Piłsudski-Platz befindet sich eine kleine Ruine des noch bis Dezember 1944 stehenden Sachsen-Palais. Unter dieser Ruine liegt seit 1925 das Grab des Unbekannten Soldaten. Zwei Soldaten bewachen das Ehrengrab ununterbrochen, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Die Wachablösung erfolgt jede volle Stunde. Hinter dem Grab ist der Sachsen-Park mit dem großen Springbrunnen. An diesem Platz finden die wichtigsten staatlichen Feierlichkeiten wie der Unabhängigkeitstag an jedem 11. November statt. Seinen Namen hat er von dem Gründer der 2. Republik Polen (1918-1939) Józef Piłsudski. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes steht sein Denkmal.

Hotel Bristol

Natürlich darf an der Krakowskie-Przedmieście-Straße kein Luxushotel fehlen. Diese Ehre hat das Bristol-Hotel seit 1901, als es seinen Betrieb aufgenommen hat. Seitdem hat es durchgehend geöffnet, auch während des 2. Weltkrieges. Auf der anderen Seite der Straße wird aktuell (Februar 2018) das Hotel Europa gebaut / restauriert. Es wird womöglich das teuerste Hotel in Warschau werden – ja! Noch teurer als Bristol! Wesentlich teurer!

Präsidentenpalast

Im größten Palast in Warschau residieren seit 1994 die polnischen Präsidenten. Von 1918 bis 1939 hatte die polnische Regierung hier ihren Sitz.

Das erste Gebäude stand hier schon 1643 und gehörte bis 1818 zahlreichen polnischen Magnatenfamilien (Koniecpolski, Lubomirski, Radziwiłł).

Nach 1818 war es zeitweise Sitz der Vertreter der russischen Zaren im Königreich Polen (Kongresspolen in Personalunion mit dem Russischen Zarenreich). In dieser Zeit erhielt der Palast seine heutige klassizistische Form.

1807 war hie Napoleon bei einer Theateraufführung zu Gast. Nur 8 Jahre später kam aus der anderen Himmelsrichtung der russische Zar Alexander.

Am 24. Februar 1818 spielte der 8-jährige Frédéric Chopin hier sein erstes öffentliches Konzert.

Vor dem Palast steht das Denkmal für Fürst Józef Poniatowski, welcher in der Napoleonischen Armee den Rang eines Marschalls hatte. Er starb bei der Vielvölkerschlacht bei Leipzig 1812.

Karmeliter-Kirche

Diese ehemals Prokathedrale (Ersatz-Kathedrale für die zerstörte Johannes-Kathedrale in der Altstadt) der Warschauer Erzdiözese von 1944-1956 wurde in den Jahren 1661-1681 erbaut. Von 1762 bis 1780 wurde sie im klassizistischen Stil umgebaut. In diesem Stil war es die erste Steinfassade im Königreich Polen (1569-1795).

Die Karmeliterkirche wurde während des 2. Weltkrieges nicht zerstört.

Adam-Mickiewicz-Denkmal

Das Denkmal für den Nationaldichter Adam Mickiewicz war das einzige Denkmal, welches im 19. Jahrhundert in Warschau aufgestellt werden durfte. Darüber entschieden nämlich die werten Herren in St. Petersburg.

Enthüllt wurde das Denkmal 1898 zum 100. Geburtsjahr des Dichters.

St.-Anna-Kirche

Das ist die letzte Kirche vor dem Betreten der Warschauer Altstadt. Sie liegt direkt am schönsten Platz in Warschau – dem Königsschloß-Platz mit der berühmten Sigismundsäule in (fast) der Mitte.

Die Außenfassade präsentiert sich im klassizistischen Stil und wurde in den Jahren 1778-1788 von Piotr Aigner umgestaltet. Das erste Kirchengebäude wurde 1454 errichtet und war damals schon aus Stein. Die gotischen Elemente sind an den Seitenwänden bis heute zu erkennen.

Der nur wenige Meter weiter stehende Glockenturm wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaut.

Während des 2. Weltkrieges wurde vor allem das Dach beschädigt. Der Wiederaufbau wurde 1962 beendet.

Gründer von Walking Poland und lizenzierter Stadtführer in Warschau

"Mein polnisches Herz pumpt das Blut ins deutsche Hirn"

antoni@meinwarschau.com

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