Die königliche Promenade

Die Krakowskie-Przedmieście-Straße ist womöglich die bekannteste Straße in ganz Polen. Dabei will ich die ulica Floriańska in Krakau und die ulica Mariacka in Danzig zumindest erwähnen.

Krakowskie Przedmieście heißt auf deutsch Krakauer Vorstadt. Der Name geht zurück auf die Händler aus Krakau, die vor den Toren übernachten mussten, bevor sie am nächsten Morgen endlich die Stadttore überqueren konnten. Zum anderen soll so auch der Platz vor der St.-Anna-Kirche genannt worden sein. Es war das erste  Gebetshaus aus Stein in Warschau. Um die Kirche kümmerten sich die Bernhardiner, welche aus Krakau kamen (1454). Damals war Krakau schon eine mächtige Stadt. Warschau hingegen zog gerade mal seine Stadtmauern hoch.

Die Straße gehört zum Warschauer Königstrakt. Zusammen mit den Straßen Nowy Świat und Aleje Ujazdowskie bilden sie den schönsten nördlichen Abschnitt des königlichen Weges auf einer Länge von 3,8 Kilometern.

Im Norden grenzt die Straße an die Altstadt und im Süden an die Nowy-Świat-Straße, welche zwar als verlängerter Arm der Krakowskie-Przedmieście-Straße gilt, aber dennoch einen ganz anderen und eigenen Charakter entwickelt hat. Daher werden die beiden Straßen getrennt voneinander behandelt.

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Wer in Warschau war und hier nicht entlang geschlendert ist, der war schlicht nicht in Warschau!

Was gibt es hier zu sehen?

Die Krakowskie-Przedmieście-Straße hat mit Abstand die höchste Dichte an Sehenswürdigkeiten in Warschau. Auf der ganzen Länge von 1,1 Kilometern werden dem Gast zahlreiche interessante Gebäude und Kirchen sowie ein ganzes Stück polnischer Geschichte angeboten. Die folgende Liste enthält die wichtigsten Haltepunkte von Süden nach Norden, also vom Kopernikus-Denkmal bis zur Warschauer Altstadt.

TIPP: Zwischen den Straßen Nowy-Świat und Krakowskie-Przedmieście verläuft die Metrolinie M2. Die Metrostation hier heißt Nowy-Świat/Uniwersytet.

Stadtplan Krakowskie-Przedmieście / Nowy-Świat

Nikolaus-Kopernikus-Denkmal

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Nikolaus-Kopernikus-Denkmal in Warschau / Szczebrzeszynski [public domain]

Das Denkmal des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen stellt den sitzenden Nikolaus Kopernikus dar. In der rechten Hand hält er einen Zirkel und in der linken Hand eine Armillarsphäre, auch Weltmaschine genannt. Die Bronzefigur ist 2,8 Meter hoch und wurde 1822 geschaffen. Ursprünglich sollte das Denkmal in der Geburtsstadt von Nikolaus – Thorn – aufgestellt werden. In dem frisch restaurierten Gebäude hinter Kopernikus  (wobei die Seitenfassade immer noch geputzt wird) befindet sich die Akademie der Wissenschaften. Auf dem Boden erkennen Sie gewölbte Kreise, die leicht aus dem Boden ragen. Das sind die Planeten, die um die Sonne kreisen.

 Canaletto-Würfel

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Canaletto-Würfel auf der Krakowskie-Przedmieście-Straße in Warschau / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Entlang der ganzen Straße wurden Würfel aufgestellt, die Canalettos berühmte Veduten zeigen, als er Warschau in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verewigte. Während des Wiederaufbaus nach dem 2. Weltkrieg waren diese Bilder sehr hilfreich, denn Canaletto hat sehr viele Details auf seinen Bildern festgehalten. Er hieß tatsächlich Bernardo Bellotto (1722-1780) und kam aus Venedig. Von 1764 bis zu seinem Tod 1780 war er am königlichen Hof des letzten polnischen Königs Stanisław August Poniatowski als Maler tätig. Er wurde auf dem berühmten Powązki-Friedhof in Warschau beigesetzt.

Hl.-Kreuz-Kirche

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Hl.-Kreuz-Kirche in Warschau / Adrian Grycuk [CC BY-SA 3.0]

Die erste Kirche wurde hier schon 1525 aufgestellt. Die heutige Form erhielt sie jedoch erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eigentümer des Gebetshauses sind die Lazaristen, auch Vinzentiner genannt, ein katholischer Männerorden, der 1625 vom hl. Vinzenz von Paul gegründet wurde. Während des 2. Weltkrieges wurde vor allem der nördliche Turm völlig zerstört. Der Wiederaufbau wurde 1953 abgeschlossen.

2002 erhob Johannes Paul II. die Hl.-Kreuz-Kirche zur basilica minor.

In der Kirche befindet sich das Herz von Frédéric Chopin. Es wurde nach seinem Tod in Paris 1849 in eine Urne mit Alkohol gelegt und von seiner älteren Schwester Ludwika unbemerkt über die Grenze nach Warschau gebracht und an den Orden übergeben. Der Behälter wurde in der ersten Säule auf der linken Seite eingemauert.

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Universität Warschau

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Haupteingang der Universität Warschau / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Die Universität wurde am 19. November 1816 vom russischen Zaren und polnischem König (Personalunion) Aleksander I. gegründet. In der Zwischenzeit trug sie verschiedene Namen wie Königliche Universität Warschau, Kaiserliche Universität Warschau oder auch Józef-Piłsudski-Uniwersytet. Auch wurde sie mehrmals geschloßen. Das erste Mal 1831 nach dem November-Aufstand und natürlich während des 2. Weltkrieges.

Heute ist sie eine der größten Universität Polens mit ca. 45 000 Studenten, wovon knapp 4500 aus dem Ausland kommen.

Bisher studierten an der Warschauer Universität 5 Nobelpreisträger

  • Henryk SienkiewiczLiteraturnobelpreis 1905 für sein Lebenswerk. Autor des Werkes Quo Vadis?
  • Menachem Begin, ehemaliger Ministerpräsident und Außenminister Israels – Friedensnobelpreis 1978 für den Friedensschluß mit Ägypten (zusammen mit Muhammad Anwar as-Saddat)
  • Czesław Miłosz –  Dichter. Literaturnobelpreis 1980
  • Joseph Rotblat – Physiker und Radiologe, geboren in Warschau. War anfangs an der Entwicklung der ersten Atombombe beteiligt, verließ jedoch das Projekt. Später setzte er sich intensiv für die Abschaffung aller Atombomben ein. Friedensnobelpreis 1995.
  • Leonid Hurwicz – verbrachte seine Kindheit und die Studienzeit in Warschau. 2007 Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften gemeinsam mit Eric Maskin und Roger Myerson für die Arbeit beim Entwurf ökonomischer Mechanismen.

Der Hauptkampus an der Krakowskie-Przedmieście-Straße hat eine Fläche von 55000 Quadratmetern.

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Adler über dem Eingang der Universität Warschau / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0] / Zum Vregrößern auf Bild klicken

Über dem Eingang hängt heute der Polnische Adler mit einer Krone umgeben von 5 Sternen. Die Sterne stehen für die ersten 5 Fakultäten Recht (und Verwaltung), Medizin, Philosophie, Theologie und Bildende Künste. Anfangs hatte der Adler zwei Köpfe, denn der Zarenadler ist ein Doppelkopfadler und statt der Krone war über ihm der Buchstabe A als Symbol für den Gründer der Universität.

Die polnischen Studenten gingen oftmals durch den weiter südlich gelegenen Nebeneingang auf den Kampus, um sich nicht vor dem erdrückenden russischen Adler beugen zu müssen.

Akademie der Bildenden (Schönen) Künste

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Akademie der Bildenden Künste mit Sitz im Czapski-Palais / Marek und Ewa Wojciechowscy/Trips over Poland [CC BY-SA 3.0]

Auf der gegenüberliegenden Seite im wunderschönen Czapski-Palais befindet sich die Akademie der Bildenden Künste, die älteste und beste Kunsthochschule in Polen.

Der Palast wurde während des 2. Weltkrieges zerstört und bis 1959 wiedererrichtet.

Im südlichen Seitenflügel befand sich bis 2014 der Chopin-Salon. es war ein rekonstruierter Teil der Wohnung der Familie Chopin, welche hier im Juni 1827 einzog. Frédéric Chopin wohnte hier bis zum 2. November 1830. An diesem Tag verließ er Warschau für immer!

Auf dem Foto erkennt man das Denkmal von Bartolomeo Colleoni auf seinem Pferd.

Visitantinnen-Kirche

Diese Kirche ist eine wahre und wohl auch einzige Perle des Spätbarock in Warschau. Hier sind die Visitantinnen ansässig, welche in der Klausur leben. Fertiggestellt wurde die Kirche im Jahre 1761 und steht unverändert bis heute. Auch den 2. Weltkrieg hat sie unbeschadet überstanden. Es lohnt sich diese Kirche auch innen zu besichtigen.

26414331989_6a37f359b3_tLesen Sie auch – Die Visitantinnen-Kirche. Die einzige Perle des Barocks in Warschau.

Das Grab des Unbekannten Soldaten und Piłsudski-Platz

Auf dem großen Piłsudski-Platz steht eine kleine Ruine des bis Dezember 1944 noch stehenden Sachsen-Palais. Unter dieser Ruine befindet sich seit 1925 das Grab des Unbekannten Soldaten. Zwei Soldaten bewachen das Ehrengrab ununterbrochen, 23 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Die Wachablösung erfolgt jede volle Stunde. Hinter dem Grab ist der Sachsen-Park mit dem großen Springbrunnen. An diesem Platz finden die wichtigsten staatlichen Feierlichkeiten wie der Unabhängigkeitstag an jedem 11. November. Seinen Namen hat er von dem Gründer der 2. Republik Polen (1918-1939) Józef Piłsudski. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes steht sein Denkmal.

Hotel Bristol

Natürlich darf an der Krakowskie-Przedmieście-Straße kein Luxushotel fehlen. Dieses Ehre hat das Bristol-Hotel. Es hat 1901 seinen Betrieb aufgenommen und funktionierte auch während des 2. Weltkrieges. Auf der anderen Seite der Straße wird aktuell (Dezember 2017) das Hotel Europa gebaut / restauriert. Es wird womöglich das teuerste Hotel in Warschau werden.

Präsidentenpalast

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Präsidentenpalast und Denkmal für Fürst Józef Poniatowski / Marcin Białek [CC BY-SA 2.5 – wikimedia]

Im größten Palast in Warschau residieren seit 1994 die polnischen Präsidenten. Von 1918 bis 1939 hatte die polnische Regierung hier ihren Sitz.

Das erste Gebäude stand hier schon 1643 und gehörte bis 1818 zahlreichen polnischen Magnatenfamilien (Koniecpolski, Lubomirski, Radziwiłł).

Nach 1818 war es zeitweise Sitz der Vertreter der russischen Zaren im Königreich Polen (Kongresspolen in Personalunion mit dem Russischen Zarenreich). In dieser Zeit erhielt der Palast seine heutige klassizistische Form.

1807 war hie Napoleon bei einer Theateraufführung zu Gast. Nur 8 Jahre kam aus der anderen Himmelsrichtung der russische Zar Alexander.

Am 24. Februar 1818 spielte der 8-jährige Frédéric Chopin hier sein erstes öffentliches Konzert.

Vor dem Palast steht das Denkmal für Fürst Józef Poniatowski, welcher in der Napoleonischen Armee den Rang eines Marschalls hatte. Er starb bei der Vielvölkerschlacht bei Leipzig 1812.

Karmeliter-Kirche

Diese ehemals Prokathedrale (Ersatz-Kathedrale für die zerstörte Johannes-Kathedrale) der Warschauer Erzdiözese von 1944-1956 wurde in den Jahren 1661-1681 erbaut. Von 1762 bis 1780 wurde sie im klassizistischen Stil umgebaut. In diesem Stil war es die erste Steinfassade im Königreich Polen (1569-1795).

Die Karmeliterkirche wurde während des 2. Weltkrieges nicht zerstört.

26414331989_6a37f359b3_tLesen Sie auch – Die Karmeliterkirche in Warschau. Eine Beschreibung.

Adam-Mickiewicz-Denkmal

Das Denkmal für den Nationaldichter Adam Mickiewicz war das einzige Denkmal, welches im 19. Jahrhundert in Warschau aufgestellt werden durfte. Darüber entschieden nämlich die werten Herren in St. Petersburg.

Enthüllt wurde das Denkmal 1898 zum 100. Geburtsjahr des Dichters.

St.-Anna-Kirche

Das ist die letzte Kirche vor dem Betreten der Warschauer Altstadt. Sie liegt direkt am schönsten Platz in Warschau – dem Königsschloß-Platz mit der berühmten Sigismundsäule in (fast) der Mitte.

Die Außenfassade präsentiert sich im klassizistischen Stil und wurde in den Jahren 1778-1788 von Piotr Aigner umgestaltet. Das erste Kirchengebäude wurde 1454 errichtet und war damals schon aus Stein. Die gotischen Elemente sind an den Seitenwänden bis heute zu erkennen.

Der nur wenige Meter weiter stehende Glockenturm wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaut.

Während des 2. Weltkrieges wurde vor allem das Dach beschädigt. Der Wiederaufbau wurde 1962 beendet.

Führung mit einem Stadtführer

Die Führung mit einem Stadtführer dauert hier ca. 60 – 70 Minuten.

Da die meisten Führungen ca. 3 Stunden dauern, wird zusammen mit der Krakowskie-Przedmieście-Straße auch folgendes in einem Zug besichtigt:

  • Warschauer Altstadt + Denkmal des Warschauer Aufstandes

und

  • der Wissenschafts- und Kulturpalast

oder

  • das Jüdische Ghetto.

3 Kommentare zu „Krakowskie-Przedmieście-Straße

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