
Aussichtspunkte in Warschau (Bild: City of Warsaw)
Romantische Aussicht in Warschau? Fehlanzeige!
(Beitragsbild © City of Warsaw) Warschau und seine Umgebung sind ausgesprochen flach. Die höchste natürliche Erhebung zwischen Oder und Ural erreicht gerade einmal 308 Meter. Kein Wunder also, dass man in der polnischen Hauptstadt keinen „klassischen“ Aussichtspunkt auf Hügeln oder Klippen findet, von denen aus man romantisch über die Skyline blicken könnte.
Trotzdem lässt sich Warschau sehr gut von oben erleben – nur eben anders: von Türmen, Terrassen und ausgewählten Aussichtspunkten in der Stadt. Diese stellen wir euch im Folgenden der Reihe nach vor.
Highline Warsaw im Varso Tower – 230m
Der Highline Warsaw ist einer der spektakulärsten Aussichtspunkte in Warschau: ein moderner Sky-View auf dem Varso Tower, direkt neben dem Hauptbahnhof. Von oben siehst du Warschau aus einer völlig neuen Perspektive – mit einem 360°-Panorama über die Innenstadt, die Wolkenkratzer rund um Rondo ONZ und bis weit über die Stadtgrenzen hinaus.
Observation Deck
Das Herzstück ist das Observation Deck auf der 53. Etage, rund 230 Meter über dem Boden. Hier steht nicht nur „Aussicht“ im Vordergrund, sondern auch das Erlebnis: Du kombinierst den Blick über die Stadt mit einer multimedialen Reise durch Warschaus Geschichte („Reveal Warsaw“), die das Panorama mit Kontext ergänzt.
Rooftop-Bar
Ein weiteres Highlight ist HighGarden, eine stylische Rooftop-Bar in luftiger Höhe, mit direktem Zugang zu einer Terrasse und Garten-Elementen. Ideal, wenn du den Besuch mit einem Drink oder kleinen Snacks verbinden willst – besonders schön zum Sonnenuntergang oder wenn die Stadt abends zu leuchten beginnt.
Anreise und Ablauf
Lage und Anreise sind unkompliziert: Highline Warsaw befindet sich in der Varso Tower Anlage (Chmielna 69) und ist hervorragend mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar – Metro, Tram und Bus sind in unmittelbarer Nähe, ebenso Warszawa Centralna (Zentralbahnhof).
Für den Besuch lohnt es sich, ein Zeitfenster einzuplanen. Typischerweise ist täglich zwischen 10 Uhr und 22 Uhr geöffnet und Tickets funktionieren mit Timeslots, damit es oben nicht zu voll wird. Online-Tickets sind in der Regel günstiger als vor Ort. Wir empfehlen grundsätzlich ca. 1 Stunde Besichtigungszeit ohne Aufenthalt in der Rooftop-Bar oder Souvenirladen einzuplanen. Auf der Homepage von Warsaw Highline ist der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs angegeben. Dann wird es dort oben sehr magisch.

Antoni auf dem Observation Deck. Blick auf den Kulturpalast @ Walking Warsaw
Aussichtsplattform vom Kulturpalast – 130m
Der Kulturpalast ist das auffälligste Gebäude in der ganzen Stadt. Geschenkt hat es uns Väterchen Stalin nach dem Krieg. Das womöglich kostspieligste Geschenk, welches keiner haben wollte. Nicht-annehmen kam damals nicht in Frage und so blieb nur: Lächeln und freuen! Das Gebäude wurde 1955 fertiggestellt und war bis 2024 das höchste Gebäude Polens, bis es vom Varso Tower abgelöst wurde.

Warschauer Kulturpalast @ Walking Warsaw
Warschau aus 130 Meter Höhe
Die Aussichtsterrasse auf dem Kulturpalast ist der nach dem Highline Warsaw auf dem Varso Tower zweithöchste öffentlich zugängliche Punkt, von dem aus man Warschau überblicken kann. Obwohl der Aussichtspunkt „nur“ 130 Meter hoch ist, empfinden wir die Aussicht von hier interessanter und imposanter. Der Grund liegt darin, dass die anliegenden Wolkenkratzer auf Augenhöhe stehen. Derweilen ist die Aussicht aus dem 230 Meter hohen Highline Warsaw ziemlich verzerrt. Alles scheint von dort oben ziemlich klein.
Von hier oben siehst du vor allem die enorme Weite Warschaus und die modernen Hochhäuser rund um das Zentrum, darunter auch den nur wenige hundert Meter entfernten Varso Tower. Die Altstadt ist dagegen recht weit entfernt und aus dieser Perspektive nur schwer zu erkennen. Wer speziell Dächer und Gassen des historischen Zentrums sehen möchte, findet dafür bessere Aussichtspunkte, die wir hier auch vorstellen.
Am besten nach Sonnenuntergang
Am eindrucksvollsten ist die Terrasse nach Sonnenuntergang: Beleuchtete Straßen, Bürogebäude und das Rundum-Panorama geben einen starken Eindruck davon, wie groß Warschau tatsächlich ist. Du kannst in alle vier Himmelsrichtungen schauen. Die Sicherheitswand ist etwa 1,6 Meter hoch; an mehreren Stellen gibt es kleine Rampen, auf denen man etwas höher steht. Zusätzlich ist ein Netz angebracht, sodass ein Hinunterfallen praktisch ausgeschlossen ist. Kostenpflichtige Ferngläser stehen zur Verfügung.
Oben kann man zwar Kaffee und Kuchen kaufen, die Qualität ist jedoch eher mittel – besser genießt man den Kaffee anschließend in der Bar Studio vor dem Haupteingang zum Kulturpalast.
Praktische Infos
Die Terrasse liegt im 30. Stock und ist per Fahrstuhl erreichbar (keine Treppenstufen). Den Haupteingang des Kulturpalastes erreicht man von der ulica Marszałkowska. Die nächstgelegenen Metrostationen sind „Centrum“ und „Świętokrzyska“ (jeweils etwa 500 Meter entfernt). Geöffnet ist täglich von 10 bis 20 Uhr, zusätzlich gibt es freitags ein Nachtticket-Zeitfenster von 20 bis 22 Uhr. Bezahlen kann man bar oder mit Karte.
Klicke HIER für eine touristische Übersicht über die Aussichtsterrasse auf dem Kulturpalast mit Details und Tipps.
Glockenturm der St.-Anna-Kirche – 56m
Den schönsten (nicht den imposantesten und eindrucksvollsten) Ausblick in Warschau gibt es von der Aussichtsterrasse des Glockenturms der St.-Anna-Kirche, welche auf dem Schlossplatz direkt vor der Warschauer Altstadt steht. Von hier sieht man die roten Dächer der altstädtischen Bürgerhäuser, die einige Kilometer weiter liegende Skyline der Wolkenkratzer mit dem dominierenden Kulturpalast sowie das östliche Weichselufer mit dem auffälligen Nationalstadion und der Florianskathedrale im Bezirk Praga
Nur Treppen, kein Fahrstuhl
Es gibt in dem Glockenturm logischerweise keinen Fahrstuhl. Der Turm scheint aber auf den ersten Blick viel höher, als er tatsächlich ist. Insgesamt sind es 156 Treppen, die man in ruhigem Aufstiegstempo innerhalb von 8 Minuten bewältigen kann. In der Mitte des Aufstiegs kann man zudem etwas verschnaufen, ohne die hinter einem gehenden Gäste zu stören. In unserer touristischen Übersicht über den Aussichtspunkt auf dem Glockenturm gibt es weitere Einzelheiten, Tipps und Wissenswertes.

Aussicht vom Glockenturm auf den Schlossplatz @ DimaBerkut via iStock
Aussichtsturm im Museum des Warschauer Aufstandes – 15m
Das Museum des Warschauer Aufstandes ist eines der meistbesuchten Museen der Stadt. Wenn du also schon mal hier bist, bietet sich ein Gang auf den Aussichtsturm an. Von da erstreckt sich der Blick auf das Warsaw Business District im Bezirk Wola, wo zahlreiche Wolkenkratzer stehen oder sich im Bau befinden. Der Warsaw Spire steht beispielsweise auf der gegeüberliegenden Straßenseite und auch die dichteste Hochhausecke „Rondo Daszynskiego“ ist von hier sichtbar. Klicke HIER, um zu unserer touristischen Übersicht über diese Aussichtsplattform zu gelangen.
Aussicht vom Misthaufen in der Altstadt – 0m
Wenn du schon in der Altstadt bist, musst du auch unbedingt den ehemaligen altstädtischen Misthaufen aufsuchen. Er befindet sich im östlichen Teil der Altstadt, etwas versteckt und daher oft übersehen. Der Misthaufen beherbergt den Müll der Warschauer seit Anbeginn der Stadtgründung im 14. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Schlussendlich wurde er mit Erde zugeschüttet und mit einer schönen Wiese gesät. Heute weiss kaum jemand, was sich unten drunter verbirgt. Von hier siehst du das naturbelassene Ostufer der Weichsel und die Kathedrale des Stadtviertels Praga, erkennbar an den zwei spitz herausragenden Kirchtürmen. Hier gibt es natürliche keine Öffnungszeiten, Kasse oder Begrenzungen. Es ist ein öffentlicher kleiner Platz – bestens geeignet für romantische Momente zu zweit.
Sonnenaufgang statt Sonnenuntergang
Da man von hier jedoch Richtung Osten schaut, wird es nichts mit dem Sonnenuntergang. Dafür ist aber der Sonnenaufgang das frühe Aufstehen wert. Bitte unbedingt beachten: in diesen Breitengraden geht die Sonne eine Stunde eher auf als in Deutschland.

Aussichtsplattform auf dem Misthaufen der Warschauer Altstadt @ Walking Warsaw


