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Palast auf der Insel. Vom Badehaus zum Prachtbau

Die Anfänge

Der Palast auf dem Wasser beginnt mit einer sehr außergewöhnlichen Geschichte über ein Badehaus an genau derselben Stelle. Der Magnat Stanislaw Herakliusz Lubomirski ließ auf einer kleinen künstlichen Insel einen kleinen Pavillon errichten, welcher von zwei Türmchen überragt wurde. Im Inneren wurde ein Erholungsraum, ein Baderaum und Wasserspeicher mit warmen und kalten Wasser entworfen. Das Herzstück des Badehauses war die Grote. Aus allen vier Wänden strömten Wasserstrudel, die das Basin in der Mitte mit Wasser speisten.

Lubomirski stellte für dieses Projekt den berühmten Architekten Tylman van Gameren ein, der auch an den Arbeiten am Schloss Ujazdow beteiligt war.

Das Schloss Ujazdow liegt nur 850 Meter nordwestlich vom Palast auf der Insel entfernt. Klicken Sie hier für mehr Einzelheiten.

Der große Umbau

Der Palast, wie wir es heute kennen, erhielt seine Form in der Regierungszeit des letzten Königs von Polen Stanislaw August Poniatowski, der 1764 gekrönt und lange 35 Jahre (bis zur 3. Polnischen Teilung) regierte. Er kaufte die ganze Gegend Meter um Meter von den Nachfahren von Stanislaw Lubomirski auf. Auch das Schloss Ujazdow landete in seinem Besitz und auf jenen Bau, welcher oben auf der Weichselböschung stand, konzentrierte sich anfangs sein Augenmerk. Doch allmählich verschob sich das Hauptgewicht auf die relativ kleine Konstruktion im Weichseltal. Seit 1782 sollten sich die Architekten nur noch um seine Vision hinsichtlich seiner neuen Residenz kümmern. Unter Leitung des Architekten Dominik Merlini ließ er das ehemalige Badehaus in einen frühklassizistischen Prachtbau umbauen. Was damals mit viel Fleiß geschaffen wurde, können wir bis heute, trotz schwerwiegender Zerstörungen während des 2. Weltkrieges, bewundern. Aus jener Zeit stammen beispielsweise die seitlichen Säulengänge.

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Der kleine Pavillon war für einen König selbstverständlich zu klein, daher wurde er wesentlich vergrößert. Es kamen der Ballsaal, das Portrait-Gabinet und auch der Speisesaal hinzu. Die oben erwähnte Grote wurde zur Rotunde umfunktioniert. Es weiterhin das Herzstück und der erste Raum, den man betrat. Allerdings von nun an ein Empfangsraum. Die vier Wasserspeier mussten ihren Platz räumen. An deren Stelle stehen heute vier Könige: Kasimier der Große, Sigismund I. der Alte, Stefan Bathory und Jan III. Sobieski, ein Vorbild eines Königs für Stanislaw Poniatowski. In den Stürzen (Oberschwelle) sind Mark Aurel und Titus Trajan abgebildet. Von oben herab schauten die Tugenden Gerechtigkeit, Sanftmut, Tapferkeit und Vernunft

Die Motivation

Warum steckte Stanislaw August Poniatowski so viel Mühe und Aufopferung in dieses Projekt, wo doch sein Königreich in einer solchen existenziellen Krise steckte? Das lässt sich nur mit der Eigenart der polnischen Monarchie erklären. Das staatliche System war eine Mischung aus Aristokratie, Demokratie und Monarchie, die man als Königliche Adelsrepublik bezeichnet. Der König konnte nur mit dem Parlament regieren. Das führte u.a. dazu, dass Könige in Polen keine imposanten Residenzen auf Kosten des Staates erbauen konnten, welche die Macht des Königs widerspiegelten. Daher ist auch das Königsschloss ein sehr gutes Symbol der Ohn-Macht der polnischen Monarchen. Im Schloss residierte und regierte der König, doch musste er es mit dem Senat und den Sejmabgeordneten teilen. Nach seinem Tod ging das Eigentum am Schloss wieder an die Republik.

Alle Könige bauten sich also außerhalb ihre eigenen Palastanlagen, deren Bau oftmals sehr lange dauerte, da die finanziellen Mittel oftmals nicht ausreichten. Aber zumindest waren sie hierbei „Herren im eigenen Hause“.

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Die eigentümliche polnisch-litauische Staatsform war in Europa einzigartig. Ich kann daher allen Interessierten empfehlen, sich damit genauer zu befassen.

Nach dem Ende der Republik

1795 wurde Polen-Litauen zum dritten Mal geteilt und verschwand somit endgültig von der Landkarte Europas. Stanislaw August Poniatowski dankte ab und zog nach St. Petersburg. Als Dankeschön wurden im von der Zarin alle Schulden vergessen. So fand das große Bauprojekt von Poniatowski im Lazienki-Park ebenfalls sein Ende und sein Traum des ersten öffentlichen Museums Polens und eines der ersten in Europa ging nicht in Erfüllung.

Der Palast ging 1813 in die Hände des Zaren über. Nach dem Novemberaufstand von 1830 begannen die russischen Verwalter sämtliche Malereien, Kunstwerke und alles was Wert hatte nach St. Petersburg zu schicken. Der Großteil dessen, was sich im Palast befand, wurde zerstört und verbrannt. Als die Russen 1915 das Land verließen (und kurz darauf die Preußen in Warschau einmarschierten) fand man nur noch vierzehn Bilder, vier Kerzenständer und zwei Tische vor.

Zerstörung und Wiederaufbau

Der Palast auf der Insel überstand den Ausbruch des Krieges sowie den Warschauer Aufstand von 1944. Er wurde jedoch im Dezember 1944 mit Benzin begossen und angezündet. Es wurde auch über Tausend Dynamitlöcher in die Wände gebohrt. Glücklicherweise kam es nicht zur Sprengung. Bis 1965 dauerten die Rekonstruktionsarbeiten.

Bücherquellen

Glowacki, Radoslaw: Echa dawnej Warszawy. Zamki i palace, Warzsawa 2017, S. 58-70, ISBN 978-83-63-63842-39-0 [Polnisch].

Eigentümer

Lizenzierter Stadtführer in Warschau und Eigentümer von Walking Poland.

antoni@meinwarschau.com

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