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Palast auf der Insel. Vom Badehaus zum Prachtbau

Die Anfänge | Das Badehaus

An der Stelle des heutigen klassizistischen Prachtbaus stand ursprünglich ein Badehaus des Magnaten Stanislaw Herakliusz Lubomirski. Dieser ließ in den Jahren 1683 – 1689 auf einer künstlichen Insel einen kleinen Pavillon errichten, welcher von zwei Türmchen überragt wurde. Im Inneren wurde ein Erholungsraum, ein Baderaum und ein Wasserspeicher mit warmen und kalten Wasser entworfen. Das Herzstück des Badehauses war die Grote. Aus allen vier Wänden strömten Wasserstrudel, die das Basin in der Mitte mit Wasser speisten.

Lubomirski stellte für dieses Projekt den berühmten Architekten Tylman van Gameren ein, der auch an den Arbeiten am Schloss Ujazdow beteiligt war.

Das Schloss Ujazdow liegt nur 850 Meter nordwestlich vom Palast auf der Insel entfernt.

Der große Umbau

Der Palast, wie wir ihn heute kennen, erhielt seine Form in der Regierungszeit des letzten Königs von Polen Stanislaw August Poniatowski, der 1764 gekrönt und lange 35 Jahre (bis zur 3. Polnischen Teilung) regierte. Kurz vor seiner Wahl zum König kaufte das geamte Gut Quadratmeter um Quadratmeter von den Nachfahren von Stanislaw Lubomirski auf. Auch das Schloss Ujazdow landete schließlich in seinem Besitz und auf jenen Bau, welcher bis heute oben auf der Weichselböschung steht, konzentrierte sich anfangs sein Hauptaugenmerk. Mit der Zeit verschob sich die architektonische Tätigkeit auf das relativ kleine Badehaus. Beginnend ab 1782 sollten sich die Architekten nur noch um seine Vision hinsichtlich seiner neuen Sommerresidenz kümmern. Unter Leitung der Architekten Dominik Merlini und dem aus Dresden stammenden Jan Christian Kamsetzer ließ er das ehemalige Badehaus in einen frühklassizistischen Prachtbau umgestalten. Was damals mit viel Fleiß geschaffen wurde, können wir bis heute, trotz schwerwiegender Zerstörungen während des 2. Weltkrieges, bewundern. Aus jener Zeit stammen beispielsweise die seitlichen Säulengänge.

Zum Nachlesen  Die Sigismundsäule auf dem Schlossplatz.

Der ursprüngliche Pavillon war für einen König selbstverständlich zu klein, daher wurde er wesentlich vergrößert. Es kamen der Ballsaal, das Portrait-Gabinet und auch der Speisesaal hinzu. Die oben erwähnte Grote wurde zur Rotunde umfunktioniert, blieb aber weiterhin das Herzstück des Palastesu und der erste Raum, den die Gäste betraten. Die vier Wasserspeier mussten ihren Platz räumen. An deren Stelle stehen heute vier Könige: Kasimier der Große, Sigismund I. der Alte, Stefan Bathory und Jan III. Sobieski, Poniatowskis große Vorbilder. In den Stürzen (Oberschwelle) sind Mark Aurel und Titus Trajan abgebildet. Von oben herab schauten die Tugenden Gerechtigkeit, Sanftmut, Tapferkeit und Vernunft.

Die nördliche Fassade wurde 1788 von Jan Christian Kamsetzer entworfen und stellt einen krassen Gegensatz zur südlichen Fassade. Sie ist flach und hat einen Säulengang (Portikus), ein Symbol der Würde und Formalität.  Im Tympanon erkennt man das Wappen der Königlichen Republik Polen-Litauen. An den Rändern der Attika wurden die Figuren der Minerva und Mars aufgestellt.

Auf dem viereckigen Belvedere stehen die Frauenstatuen, die die vier Elemente representieren: Erde, Luft, Feuer und Wasser. Alles Steinfiguren aus der Werkstatt von  André Le Brun. 

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Die Motivation

Warum steckte Stanislaw August Poniatowski so viel Mühe und Aufopferung in dieses Projekt, wo doch sein Königreich in einer solchen existenziellen Krise steckte? Das lässt sich nur mit der Eigenart der polnischen Monarchie erklären. Das staatliche System war eine Mischung aus Aristokratie, Demokratie und Monarchie, die man als Königliche Adelsrepublik bezeichnet. Der König konnte nur mit dem Parlament regieren. Das führte u.a. dazu, dass Könige in Polen keine imposanten Residenzen auf Kosten des Staates erbauen konnten, welche die Macht des Königs widerspiegelten. Daher ist auch das Königsschloss ein sehr gutes Symbol der Ohn-Macht der polnischen Monarchen. Im Schloss residierte und regierte der König, doch musste er es mit dem Senat und den Sejmabgeordneten teilen. Nach seinem Tod ging das Eigentum am Schloss wieder an die Republik.

Zum Nachlesen  ISIC-Studentenausweis in Warschau

Alle Könige bauten sich also außerhalb ihre eigenen Palastanlagen, deren Bau oftmals sehr lange dauerte, da die finanziellen Mittel oftmals nicht ausreichten. Aber zumindest waren sie hierbei „Herren im eigenen Hause“.

Die eigentümliche polnisch-litauische Staatsform war in Europa einzigartig. Ich kann daher allen Interessierten empfehlen, sich damit genauer zu befassen.

Nach der 3. Polnische Teilung

1795 wurde Polen-Litauen zum dritten Mal geteilt und verschwand somit endgültig von der Landkarte Europas. Stanislaw August Poniatowski dankte ab und zog nach St. Petersburg. Als Dankeschön wurden ihm von Katharina der Großen alle Schulden vergessen. So fand das große Bauprojekt von Poniatowski im Lazienki-Park ebenfalls sein Ende und sein Traum des ersten öffentlichen Museums in Polen und eines der ersten in Europa ging nicht in Erfüllung.

Der nächste Eigentümer wurde sein Neffe Fürst Josef Poniatowski, der 1813 in der Vielvölkerschlacht bei Leipzig starb. Er kämpfte an der Seite Napoleons. Sein Nachfolgerin wurde im selben Jahr seine Schwester Maria Teresa Tyszkiewiczowa, die den Sommerpalast 1817 an den Zaren Alexander I. verkaufte. Das die Zaren russisch-orthodox waren, wurde die kleine Kapelle geschlossen und ihre Funktion übernahm die an den westlichen Säulengang angebaute orthodoxe Kirche.

Nach dem Novemberaufstand von 1830 begannen die russischen Verwalter sämtliche Malereien, Kunstwerke und alles was Wert hatte nach St. Petersburg zu schicken. Der Großteil dessen, was sich im Palast befand, wurde zerstört und verbrannt. Als die Russen 1915 das Land verließen (und kurz darauf die Preußen in Warschau einmarschierten) fand man nur noch vierzehn Bilder, vier Kerzenständer und zwei Tische vor. Bis 1916 blieb der Palast im Eigentum der Zaren.

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Zerstörung und Wiederaufbau

Der Palast auf der Insel überstand den Ausbruch des Krieges sowie den Warschauer Aufstand von 1944. Er wurde jedoch im Dezember 1944 mit Benzin begossen und angezündet. Es wurden zudem über Tausend Dynamitlöcher vorbereitet. Glücklicherweise kam es nicht zur Sprengung. 1960 wurden die ersten Räumlichkeiten für Touristen zur Verfügung gestellt. Bis 1965 dauerten die Rekonstruktionsarbeiten.

Literaturquellen

Glowacki, Radoslaw: Echa dawnej Warszawy. Zamki i palace, Warzsawa 2017, S. 58-70, ISBN 978-83-63-63842-39-0 [Polnisch].

Museumsbroschüre: Muzeum Lazienki Krolewskie w Warszawie, 2013, ISBN 978-83-935584-5-2

Eigentümer von Walking Poland und lizenzierter Stadtführer

"Mein polnisches Herz pumpt das Blut ins deutsche Hirn"

antoni@meinwarschau.com

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