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Die mittelalterliche Burg in Czersk. Sitz der Herzöge von Masowien.

Die Burg in Czersk ist eine begehbare Ruine, romantisch am Rand einer Böschung gelegen, zur Weichsel gerichtet, die sich schon längst von der Burg entfernt hatte. Die Geschichte von Czersk und der Burgruine gehören zum Detailwissen über die Geschichte von Warschau dazu.

Nachfolgend liest Du eine detaillierte Beschreibung der Burgruine in Czersk. Falls Du nur eine touristische Übersicht benötigst, klicke auf den folgenden Link.

800 Jahre Geschichte

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Burgwall in Czersk XIII. – XIV. Jahrhundert

Die Burg in Czersk wurde auf Befehl des Herzogs von Masowien Janusz I. des Älteren im letzten Viertel des 14. Jahrhunderts erbaut. Vorher befand sich hier ein slawischer Burgwall und eine kleine Siedlung, in deren Mitte eine steinerne romanische Kirche stand. Heute sind nur noch die Fundamente der Kirche erhalten. Das Gotteshaus wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts zum Kollegiatstift erhoben.

Der Burgwall konnte den Angriffen der damals heidnischen Litauer nicht standhalten und wurde in den 80ern des 14. Jahrhunderts nahezu völlig zerstört. Die Wiedererrichtung erfolgte in Form einer Burg. In dieser Zeit war Czersk die Hauptstadt und Regierungszentrum des Herzogtums Masowien. Nach der Fertigstellung der Burg Anfang des 15. Jahrhunderts verlegte der Herzog die Hauptstadt nach Warschau in den ebenfalls neu errichteten Herrschersitz. Heute steht dort das Königsschloss. Czersk wurde in eine Burganlage, die den hier verlaufenden Handelsweg kontrollierte, umfunktioniert. Die Siedlung erhielt nie wieder eine politisch relevante Funktion.

Die Burg wurde im 15. Jahrhundert mehrmals modernisiert und vergrößert. Die Seitentürme wurden erhöht, damals entstand auch der heute noch klar erkennbare Torturm. Der Verlauf der Wehrmauer ist nur im nördlichen Abschnitt mit dem Burgwall identisch. Die Fläche des Innenhofes beträgt 1900 Quadratmeter.

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1526 wurde das Herzogtum Masowien in das Königreich Polen inkorporiert, die Burg in Czersk ging in das Eigentum der polnischen Könige über.

Während des polnisch-schwedischen Krieges 1655-1660, den man in der polnischen Geschichtsschreibung als Schwedische Flut bezeichnet, wurde die Burg ununkehrbar zerstört. Der Marschall der Krone und Starost (königlicher Verwaltungsbeamter) von Czersk Franciszek Bielinski (1683-1766) reparierte die Beschädigungen. In dieser Zeit entstand die Arkadenbrücke über dem Burggraben.

Heute ist Czersk ein verschlafenes kleines Dorf, welches während der Feste in der Burgruine auflebt. Die Burg kann von innen besichtigt werden.

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Die Burg bis zur Zerstörung durch die Schweden 1656. A=Torturm B=Ostturm C=Westturm D=Wehrmauer E=Kirche des Hl. Petrus F=Großes Wohnhaus G=?

Der Torturm

Der Torturm ist sehr gut erhalten. Es fehlen aus den oberen Etagen die Zinnen, der Erker, die Hurde sowie das Dach (siehe Bild im vorherigen Abschnitt Buchstabe A).

In den Turm gelangte man früher nur durch die Seitentür von der Wehrmauer aus. Unten hatte der Turm zwei Durchgänge, einen für die Fußgänger und einen breiteren für die Reiter.

In der 1. Etage hatten die Wächter einen Aufenthaltsraum, von welchem sie auch das Tor öffnen und schließen konnten. Die 2. Etage war für den Burgherren bestimmt. Die Etagen 3 und 4 waren nur noch für Verteidigungszwecke bestimmt.

Der Ostturm

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Der Ostturm der Burganlage

Am nächsten zur Weichsel steht der Ostturm. Er hatte eine Höhe von 21 Metern. Im Keller befand sich der Kerker. Zu diesem Zwecke hatte man die Fundamente vertieft und den Boden mit Steinen befestigt. Die Gefängnisinsassen wurden von der 2. Etage mit einem Seil runtergelassen. Flüchten war nahezu unmöglich, denn der Eingang in den Turm war nur von der Stadtmauerhöhe möglich.

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Touristen können heute immer noch in das Gefängnisloch schauen. Auch ist es möglich auf die Turmspitze zu gehen, um den Ausblick auf das Weichseltal zu genießen.

Das Dach fehlt genauso wie im Falle des Torturms.

Der Westturm

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Der Westturm der Burg in Czersk. Erkennbar der Eingang im Erdgeschossbereich.

Dieser Turm ist besonders, weil er außerhalb der Wehrmauer verläuft. Er war 16,5 m hoch und hatte eine rein militärische Funktion. In den Mauern befand sich das Waffenarsenal. Betreten konnte man den Turm vom Innenhof.

Den Westturm kann man aufgrund der größten Zerstörungen nur bis zur Mauerhöhe besichtigen.

Besichtigung

Man kann die Burg das ganze Jahr über besichtigen. Es gibt einige Informationstafeln, die die Anlage verständlicher machen. Im Ostturm kann man durch die Räumlichkeiten des Burgherren gehen und sich vorstellen, wie ein Leben hier ausgesehen haben mage.

Sehr schön sind auch die Ausblicke, vor allem bei gutem Wetter. Wir empfehlen die Burg in Czersk vor allem dann zu besichtigen, wenn hier ein mittelalterlicher Markt organisiert wird. Dann kann es zu einem sehr schönem Ereignis werden, vor allem für Kinder.

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Innenaustattung im Ostturm

Gründer von Walking Poland und lizenzierter Stadtführer in Warschau

"Mein polnisches Herz pumpt das Blut ins deutsche Hirn"

antoni@meinwarschau.com

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