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Der Jüdische Friedhof in der Okopowa-Straße

Nachfolgend haben wir eine detaillierte Beschreibung samt eines historischen Überblicks verfasst. Falls Du lediglich an einer touristischen Übersicht interessiert bist, dann klicke bitte auf die folgende Box.

Der jüdische Friedhof in der Okopowa-Straße im Stadtviertel Powazki wurde 1806 angelegt. Er hat eine Fläche von 33 Hektar und beherbergt nahezu 90 Tausend Gräber.

Der erste jüdische Friedhof

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Die Jüdische Straße (Zydowska) | Westliche Seite der Stadt, direkt an der Mauer

Der erste jüdische Friedhof wurde im 14. Jahrhundert angelegt. Er lässt sich nicht genau lokalisieren, muss jedoch in der Nähe der heutigen Krakowskie-Przedmiescie-Straße gelegen haben. Bis 1525 befand sich die jüdische Gemeinde auf dem Gebiet der Altstadt in der Nähe der heutigen Szeroki-Dunaj-Straße. Der Name taucht nicht mehr im Straßenregister auf.

Modernisierungsphase im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert veränderten sich die Gewohnheiten und das Aussehen jüdischer Gräber. In all den Jahrhunderten zuvor wurden senkrecht freistehende Grabstelen (hebräisch macewa, deutsch Denkmal) aufgestellt, die von einer gewissen Schlichtheit geprägt waren. Im Laufe der Industrialisierung erfolgte eine „friedhöfliche Modernisierung“. Neben den traditionellen Mazewen wurden architektonische Grabhäuser, Obelisken und Mazewen in den verschiedensten Formen aufgestellt. Das Verbot der Abbildung menschlicher Gestalten wurde ebenfalls nicht mehr beachtet. Die Akkulturation nahm ihren ungehemmten Lauf und intensivierte sich vor allem seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts, als auch jegliche Hemmungen hinsichtlich menschlicher Gestalten fielen.

Die ersten Grabmäler in der modernen Formen hielten Eingang in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

In Mode kamen auch sogenannte Ohele, wa so viel wie „Zelt“ heißt. Diese kleinen Häuschen sind mit den Chasiden und der Orthodoxie verbunden. In diesem überdachten Grab konnten sich Pilger in Ruhe gem Gebet widmen und waren so vor Wind und Regen geschützt. Ein Ohhel war zudem eine symbolische Hervorhebung des grabs, zumeist eines Rabbis oder Chadiks.

Der erste Ohel wurde 1841 aufgestellt. Begraben wurde hier der Oberrabi Szlomo Zalman Lipszyc. 

Insgesamt gibt es auf dem jüdischen Friedhof 45 Ohele.

Inschriften

Die erste Inschrift auf einer Mazewe erschien 1840 auf dem Grabstein von Arthur Sewerin Goldstand. Die deutsche Inschrift wurde jedoch mit dem hebräischen Alphabet eingemeißelt. Diese Angelegenheit wurde in langen Diskussionen ausgehandelt. Sogar das Ministerium für Inneres und Geistliches mischte mit. So kam es, dass der Minister ein Edikt herausgab, welches sagte, dass „neben dem Hebräischen auch eine Sprache, die die Staatslenkung versteht, verwendet werden soll.“ Doch der Aufschrei war groß, vor allem der orthodoxen Juden. Die Ministerialverwaltung entschied daraufhin, dass die Familien der Verstorbenen zwischen den Sprachen Hebräisch, Russisch, Polnisch und Deutsch frei auswählen dürfen.

Gründer von Walking Warsaw und lizenzierter Stadtführer in Warschau

"Mein polnisches Herz pumpt das Blut ins deutsche Hirn"

antoni@meinwarschau.com

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