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Geschichte der Juden in Warschau bis 1527

Das ist der erste Teil aus der Reihe Die Geschichte der Juden in Warschau. Dich könnten auch folgende Teile interessieren.

Die ersten Juden in Warschau und Masowien

Es ist leider icht möglich ein konkretes Jahr der Ankunft der Juden in Masowien und Warschau zu nennen. Wir wissen lediglich, dass schon vor 1237 in Plock eine jüdische Gemeinden exsitierte. Das Herzogtum Masowien war in den Anfangsjahren des Bestehens des polnischen Staatswesens im 10. Jahrhundert wirtschaftlich schwach entwickelt. Insoweit gibt es kaum historische Dokumente über die Gesellschaftsstrukturen, die Wirtschaft oder kulturelle Ereignisse in dieser Region, geschweige denn über die jüdische Kultur. Auf dem Gebiet der Stadt Warschau gibt es auch keine archeologischen Fundstücke oder schriftlichen Zeugnisse über die ersten jüdischen Siedler, was die Zerstörung der Altstadt und des Jüdischen Ghettos während des 2. Weltkrieges bestärkte. Die erste schriftliche Erwähnung überhaupt, die eine organisierte Niederlassung bezeugt, stammt von 1414. Seit diesem Jahr häufen sich dann auch Schriftstücke über getätigte Handels- oder Kreditgeschäfte, dessen eine Partei jüdischer Herkunft war. Dem muss also schon eine bestehende und relativ gut integrierte Gemeinde vorausgegangen sein.

Anzahl

Im Steuerregister der Stadt Warschau von 1423 sind jüdische Steuerzahler erwähnt. In der Mitte des 15. Jahrhunderts gab es dreizehn bis fünfzehn jüdische Haushalte, die 130 bis 150 Personen umfassten. Das waren 3 – 4 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Die Jüdische Straße in Warschau

Die jüdische Gemeinde hatte ihr eigenes kleines Viertel auf dem Gebiet der Altstadt. Dessen Hauptschlagader war die namentlich nicht mehr existierende Jüdische Strasse (ulica Żydowska). Die platea Judaeorum verlief parallel zur Piwna-Straße auf der Länge vom Wąski Dunaj bis zur Piekarska-Straße und war ca. 54 Meter lang sowie 4 Meter breit.

Zum Nachlesen  Geschichte der Juden in Warschau 1527 bis 1795

Auf der Karte trägt die Piwna-Straße noch den Namen Sw. Marcina.

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Jüdische Straße in Warschau (Zydowska)

Entlang der Straße stand den Juden eine Synagoge und ein rituelles Tauchbad, die Mikwe, zur Verfügung. Außerhalb der Stadt lag der jüdische Friedhof.

Der cimeterium Judaeorum befand sich auf Weg nach Czersk, wie es in einem Schriftzug aus der Zeit des Fürsten Bolesław V. (1453 – 1488) nachzulesen ist. Somit lässt sich der Friedhof in der Nähe der heutigen Krakowskie-Przedmiescie-Straße lokalisieren. Bei 130 bis 150 Gemeindemitgliedern dürfte die letzte Ruhestätte nicht sonderlich groß gewesen sein. Die Schließung erfolgte spätestens im Jahre 1527 mit der juristisch untermauerten Vertreibung der Juden aus der Stadt (Privileg de non tolerandis Judaeis – mehr dazu im Beitrag: Juden in Warschau von 1527 bis 1795). Die nächsten zwei Jahrhunderte lang begruben die Juden ihre Familienmitglieder in den umliegenden Städten Nowy Dwor, Grodzisk oder Sochaczew.

Grundsätzlich waren die Juden von der städtischen Jurisdiktion ausgeschlossen und unterstanden dem persönlichen Schutz des Fürsten von Masowien. Damit unterstanden sie jedoch auch der Laune eines jeden von ihnen.

Jüdisch-bürgerlicher Konkurrenzkampf

Das Leben der Juden in Warschau im 15. Jahrhundert ist nur spärlich dokumentiert. Gewiss ist jedoch, dass es viele Konflikte zwischen der städtischen Bevölkerung und der prosperierenden jüdischen Gemeinde gab. Die Bürger wollten die Konkurrenten loswerden, um so ihren eigenen wirtschaftlichen Aufschwung zu bekräftigen. In den Jahren 1454-1455 kam es zu Pogromen, die von den Bernhardinern initiiert wurden. Doch es kam noch schlimmer. 1483 mussten sie – der Fürst muss schlecht gelaunt gewesen sein – die Stadt verlassen und all ihr Hab und Gut zurücklassen. Erst 1486 durften sie zurückkehren. Der Entscheidungsträger war damals Fürst Bolesław V. (ca. 1453-1488).

Die endgültige Vertreibung aus der Stadt

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Die letzten Fürsten von Masowien Janusz III. (links) und Stanisław (Mitte). Rechts im Bild steht deren Schwester Anna von Masowien

Mit dem Tod der letzten Fürsten von Masowien im Jahre 1525 wurde dieses Gebiet dem Königreich Polen inkrporiert. Am 25. August 1526 kam der König von Polen Sigismund I. der Alte persönlich nach Warschau, um der Übernahme der Stadt kundzutun.

Sigismund erließ 1527 das Privileg de non tolerandis Judaeis, welches den Juden auf immer und ewig verbot sich auf dem Gebiet der Alten wie Neuen Stadt niederzulassen, Eigentum zu besitzen oder sich gar hier aufzuhalten. Für die Bürger war es der endgültige Sieg im Kampf um die Einflüße in der Stadt. Eine Ausnahme gab es allerdings doch – während eines Generalsejms (sejm walny), welcher seit 1569 in Warschau abgehalten werden sollte, durften sie sich in der Stadt aufhalten und Handel treiben so viel sie wollten.

Gründer von Walking Poland und lizenzierter Stadtführer in Warschau

"Mein polnisches Herz pumpt das Blut ins deutsche Hirn"

antoni@meinwarschau.com

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