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Glocke Warschau

Eine Glocke in Warschau „Made in Germany“

Normalerweise hängen Glocken in Glockentürmen und läuten in regelmäßigen Zeitabständen. In Warschau steht solches Prachtexemplar auf einem Platz, selbst kam sie nie zum Einsatz. Was die Glocke mit „Made in Germany“ zu tun hat, warum sie nicht in einem Turm hängt und wie sie angeblich Wünsche erfüllt, das erfahrt Ihr in unseren folgenden Beitrag.

Falls Ihr jedoch lediglich an einer kurzen touristischen Übersicht über die Glocke interessiert seid, klickt einfach auf den folgenden Link.

In der kleinen alten Stadt

Altstädte verbindet man oft mit engen Gassen und der Angst im ungeordneten Straßendickicht verloren zu gehen. Diese Sorgen sind in der Warschauer Altstadt völlig unbegründet. Die längste Straße ist keine 400 m lang, die Stadtmauer noch nicht mal einen Kilometer und es gibt hier nur dreizehn Straßen. Man muss sich vor allem die Hauptschlagader der Altstadt, die Swietojanska-Straße, merken, die nach der Johanneskathedrale benannt ist. Sie führt Euch, am Marktplatz vorbeikommend, zum nördlichen Ende, wo sich der Barbakan befindet. Habt jedoch keine Angst, bewegt Euch frei durch die Altstadt, schaut mal in den kleinen romantischen Gassen vorbei, man kann sich hier wirklich nicht verlaufen. Nach zehn Minuten habt Ihr den Dreh raus.

Schau mal um die Ecke

Wenn Ihr Euch etwas gelockert und umgeschaut habt, könnt Ihr innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer zahlreiche Artefakte der kleinen Architektur finden. Eines dieser Objekte ist unser heutiger Hauptdarsteller, die „deutsche“ Glocke in der Kanonia-Straße, die die Form eines dreiseitigen Platzes hat und wo sich im Mittelalter der Friedhof befand. In der Mitte steht die besagte Glocke in der Warschauer Altstadt. 

Die Touristen, die sich ohne Stadtführer durch die Altstadt bewegen, wählen nur selten diese Seitengasse und halten sich meistens in der Swietojanska-Straße und auf dem Marktplatz auf. Ich kann Euch nur raten: Schaut mal um die Ecke. Es lohnt sich wirklich.

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Enge Gassen in der Warschauer Altstadt

Zur Ulica Kanonia

Die Kanonia-Straße verläuft hinter der Johanneskathedrale. Am einfachsten ist es also die Kathedrale aufzusuchen. Wenn Ihr davorsteht, verläuft rechts ein Weg unterhalb des Glockenturms. Geht diesen Weg bis zum Ende. Auf der linken Seite seht Ihr die Kanonia-Straße und in der Ecke die Glocke.

Die Glocke

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© Carlos Delgado CC BY-SA 3.0 PL

Sie ist sehr unscheinbar und sicherlich denken die meisten, dass es eine einfach Glocke ist, die beim Wiederaufbau der Altstadt statt auf dem Glockenturm schlicht auf diesen kleinen Platz gestellt wurde. Was kann man denn sonst mit einer Glocke ohne Glockenturm machen?

Die Glocke wurde 1646 vom Warschauer Glockengießer Daniel Thiem gegossen. Nur drei Jahre zuvor hatte er die Sigismundsäule, die auf dem Schlossplatz steht, fertiggestellt. Ursprünglich sollte die Glocke im Glockenturm von Jaroslaw hängen, sie kam dort aber nie an. Seit 1972 ziert sie diesen schönen Platz, doch niemand kann genau sagen, wie und warum sie hierhin gelangt ist.

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Der Glockengießer: Ein „Deutscher“

Der Copyright-Beweis, dass es auch wirklich Daniel Thiem war, befindet sich auf der Glocke selbst. Dort findet Ihr eine Aufschrift, die besagt: „Mit Gotes Hülf gos mich Daniel Tiem“ Leider wissen wir nicht viel über ihn, außer dass er Glockengießer war. Seine Werke waren mal besser und mal schlechter. Die Sigismundstatue hat unzähliche Kriege und einen Aufprall auf den Boden während des 2. Weltkrieges ausgehalten. Sicherlich hat er da gute Arbeit geleistet.

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„Mit Gotes Hülf gos mich Daniel Tiem“

Bei der Glocke hatte er einen schlechten Tag. Man sieht auf der Glocke risse, die nach der Fertigstellung entstanden sind. Made in Germany stand noch in den Sternen. Die hohe Wertstellung deutscher Wertarbeit musste man sich erst mit viel Mühe verdienen. Und das dauerte dann doch ganze drei Jahrhunderte.

Auch die Frage nach seiner Nationalität ist so komplex wie die von Nikolaus Kopernikus. Ich würde es nicht so genau nehmen.

Gründer von Walking Warsaw und lizenzierter Stadtführer in Warschau

"Mein polnisches Herz pumpt das Blut ins deutsche Hirn"

antoni@meinwarschau.com

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