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Die Dreifaltigkeitskirche in Warschau und die Geschichte der Protestanten in Polen

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Die Dreifaltigkeitskirche in Warschau und die Geschichte der Protestanten in Polen

Die evangelische Dreifaltigkeitskirche am heutigen Małachowski-Platz gehört zu den auffälligsten Sakralbauten im Zentrum Warschaus. Ihre mächtige Kuppel prägt das Stadtbild bereits seit dem späten 18. Jahrhundert. Hinter der klassizistischen Fassade verbirgt sich jedoch weit mehr als nur die Geschichte eines außergewöhnlichen Bauwerks.

Die Kirche steht für den jahrhundertelangen Kampf der Warschauer Protestanten um religiöse Freiheit und gesellschaftliche Anerkennung. Sie wurde zum Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten, zu einem Zentrum der Musik und Wohltätigkeit und sogar zum wichtigsten geodätischen Orientierungspunkt der polnischen Hauptstadt.

Ein Platz in der Gesellschaft

Die Ideen der Reformation erreichten Masowien bereits kurze Zeit nach dem Auftreten Martin Luthers. Ihre Verbreitung war offenbar so stark, dass der masowische Herzog Janusz III. im Jahr 1525 ein Edikt erließ, das die Ausübung aller anderen Konfessionen außer dem römisch-katholischen Glauben verbot.

Untersagt waren nicht nur evangelische Gottesdienste. Selbst das Lesen und Verbreiten der Schriften Martin Luthers galt als illegal. Dennoch bekannten sich in Masowien und auch in Warschau immer mehr Menschen zu den Ideen der Reformation.

Nach dem Tod des letzten masowischen Herzogs wurde Masowien 1526 in das Königreich Polen eingegliedert. Die rechtliche Lage der Protestanten verbesserte sich dadurch zunächst jedoch nicht.

Mit der wachsenden Zahl evangelischer Gläubiger entstand die Notwendigkeit, die verschiedenen protestantischen Gemeinden zu organisieren und ihre Interessen gegenüber dem Staat gemeinsam zu vertreten. Einen wichtigen Schritt bildete die Synode von Sandomierz im Jahr 1570. Durch die dort geschlossene Übereinkunft konnten Lutheraner, Reformierte und Böhmische Brüder ihre Interessen gegenüber den staatlichen Behörden gemeinsam vertreten.

Um 1580 unternahmen die Warschauer Protestanten große Anstrengungen, eine eigene Kirche zu errichten. Der Widerstand der katholischen Geistlichkeit und eines Teils der Stadtbevölkerung war jedoch zu stark. Das Bauvorhaben scheiterte. Zwei Jahre später wurden zahlreiche Protestanten sogar aus der Stadt vertrieben.

Es sollten fast zwei Jahrhunderte vergehen, bevor sich in Warschau wieder eine dauerhaft bestehende evangelische Gemeinde entwickeln konnte.

Gottesdienste in den Häusern ausländischer Gesandter

Da die Protestanten zunächst keine eigene Kirche errichten durften, fanden ihre Gottesdienste in privaten Gebäuden und in den Residenzen ausländischer Diplomaten statt.

Eine besonders wichtige Rolle spielte das vor 1765 errichtete Gebetshaus des dänischen Gesandten Saint-Saphorin. Es gehörte zur diplomatischen Vertretung des Königreichs Dänemark und bot den Warschauer Protestanten einen gewissen Schutz vor Eingriffen der Behörden.

Die Gemeinde wurde damals von Pfarrer Johann Jakob Scheidemantel betreut. Der 1734 geborene deutsche Geistliche stand im Dienst der dänischen Krone und gilt als erster Seelsorger der späteren Evangelisch-Augsburgischen Dreifaltigkeitsgemeinde in Warschau.

Gottesdienste wurden außerdem in der Residenz des preußischen Gesandten Loelhoeffen gefeiert. Dieser berichtete einigermaßen verwundert nach Berlin, dass die Warschauer Protestanten während ihrer Gottesdienste nicht für den preußischen, sondern für den polnischen König beteten. Die evangelischen Einwohner Warschaus verstanden sich somit trotz ihrer häufig deutschen Herkunft als loyale Untertanen der polnischen Krone.

Religionsfreiheit für die Warschauer Protestanten

Eine entscheidende Veränderung brachte der Warschauer Sejm des Jahres 1768. Durch seine Beschlüsse erhielten die Protestanten beider großen Konfessionen das Recht auf eine freie Religionsausübung.

Damit konnten die evangelischen Gemeinden erstmals seit Jahrhunderten offiziell tätig werden und über den Bau eigener Gotteshäuser nachdenken. Die reformierte Gemeinde errichtete als Erste eine Kirche. Wenige Jahre später begannen auch die Lutheraner mit der Umsetzung ihres großen Bauprojekts.

Die Warschauer Lutheraner organisierten sich ab 1775 als eigenständige Gemeinde. Johann Jakob Scheidemantel wurde ihr erster Seelsorger. Nach seinem Tod übernahmen die Pfarrer Theophil Ringeltaube und Friedrich Cerulli die Betreuung der wachsenden Gemeinde.

Am 15. Januar 1777 erteilte König Stanisław August Poniatowski den Lutheranern schließlich das königliche Privileg zum Bau einer eigenen Kirche. Von drei vorgelegten Entwürfen wählte der König persönlich das Projekt des sächsisch-polnischen Architekten Szymon Bogumił Zug aus.

Der Entwurf sah bewusst keinen traditionellen Kirchturm vor. Stanisław August wusste, dass ein hoher Turm auf dem Gotteshaus einer nichtkatholischen Gemeinde bei Teilen des katholischen Klerus auf Ablehnung stoßen konnte. Zug entschied sich deshalb für einen monumentalen Zentralbau mit einer mächtigen Kuppel und einer kleinen Laterne.

Das Lebenswerk von Szymon Bogumił Zug

Die Dreifaltigkeitskirche wurde zum bedeutendsten Werk von Szymon Bogumił Zug, der unter seinem deutschen Namen Simon Gottlieb Zug bekannt war. Der aus Sachsen stammende Architekt hinterließ in Warschau und seiner Umgebung zahlreiche Spuren. Zu seinen bekanntesten Projekten gehört der romantische Garten Arkadia bei Nieborów.

Das Grundstück für die Kirche hatten die Warschauer Protestanten aus eigenen Mitteln erworben und der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Auch ein großer Teil der Baukosten wurde durch Spenden, Sammlungen und private Stiftungen finanziert. Eine wichtige Rolle spielte dabei der wohlhabende Bankier und Kaufmann Piotr Tepper.

Das königliche Privileg bestätigte das Eigentumsrecht der Gemeinde an dem Grundstück und erlaubte ausdrücklich die Errichtung des Gotteshauses.

Die Bauarbeiten begannen am 24. April 1777. Die feierliche Grundsteinlegung fand am 4. Mai 1778 an jener Stelle statt, an der später der Altar aufgestellt werden sollte.

Zu der Zeremonie kamen zahlreiche Einwohner Warschaus, Gemeindemitglieder und ausländische Diplomaten. Vertreten waren unter anderem die Gesandtschaften Englands, Dänemarks und Preußens sowie die Höfe des sächsischen Kurfürsten und der russischen Zarin. Im Namen des polnischen Königs nahm der Kastellan von Łęczyca und Generalmajor der königlichen Armee Tadeusz Lipski teil.

Den ersten symbolischen Stein legte der russische Gesandte Otto Magnus von Stackelberg. Szymon Bogumił Zug reichte ihm dazu eine silberne Maurerkelle, auf der das Datum der Zeremonie eingraviert war. Anschließend beteiligten sich auch die übrigen Ehrengäste an der Grundsteinlegung.

Hinter dem späteren Altar wurden Gedenktafeln mit einer feierlichen Inschrift angebracht:

Unter der Herrschaft Stanisław Augusts, des Vaters des Vaterlandes, als die Republik befriedet und die freie Ausübung religiöser Riten erneut durch öffentliches Recht gesichert worden war, wurde am 4. Mai 1778 der erste Stein für diese in der Hauptstadt entstehende Kirche gelegt, die der öffentlichen Feier der Gottesdienste des Augsburger Bekenntnisses dienen sollte.

Am 2. Juli 1779 wurde das Kreuz auf der Laterne über der Kuppel befestigt. Wenige Tage später, am 8. Juli, legte man im Sockel des Kreuzes Dokumente und Erinnerungsstücke für zukünftige Generationen nieder.

Die feierliche Einweihung im Jahr 1781

Am 30. Dezember 1781 wurde die Evangelisch-Augsburgische Dreifaltigkeitskirche feierlich eröffnet und eingeweiht.

Die Feierlichkeiten begannen um neun Uhr morgens. Unter dem Läuten der Glocken setzte sich eine Prozession vom bisherigen Gebetshaus zur noch verschlossenen Haupttür der neuen Kirche in Bewegung.

An der Spitze gingen der Gemeindeälteste Piotr Tepper und Pfarrer Theophil Ringeltaube, der im Talar eine Bibel trug. Pfarrer Friedrich Cerulli führte die Sächsische Kirchenagenda mit sich, in der die liturgischen Regeln festgehalten waren. Der aus Węgrów angereiste Pfarrer Christian Philipp Goburek trug ein Exemplar des Augsburger Bekenntnisses.

An der Prozession nahmen außerdem die Kirchenältesten und Oberst Heinrich von Kaufmann als Vertreter König Stanisław Augusts teil. Als die Geistlichen vor dem Haupteingang eintrafen, verstummten die Glocken.

Der für den Bau verantwortliche Gemeindevertreter Stubenrauch übergab den Kirchenschlüssel an den Vorsitzenden des Kollegiums, Michael Gröll. Dieser reichte ihn an den Kirchenverwalter Franciszek Weber weiter, der zuvor die Bauarbeiten beaufsichtigt hatte.

Weber erhielt den Auftrag, die Kirche auf Anweisung der Pfarrer zu den Gottesdiensten zu öffnen und entsprechend den schriftlich festgelegten Regeln wieder zu verschließen. Anschließend öffnete er zum ersten Mal die Haupttür des neuen Gotteshauses.

Die Gemeindemitglieder wurden durch die Seiteneingänge eingelassen. Den Einzug der Prozession begleitete der Gesang des Kirchenchores. Vor dem Altar hielt der Vorsitzende des Kirchenkollegiums eine Ansprache. Danach legten die Geistlichen die mitgebrachte Bibel, die Kirchenagenda und das Augsburger Bekenntnis auf dem Altar nieder.

Pfarrer Ringeltaube sprach das Dankgebet zur Eröffnung der Kirche. Pfarrer Cerulli las einen Abschnitt aus der Heiligen Schrift. Anschließend führte der Chor eine eigens für diesen Anlass komponierte Kantate von Wincenty Ferdynand Lessel auf.

Am Geburtstag König Stanisław Augusts, dem 17. Januar 1788, wurde über dem Haupteingang eine steinerne Gedenktafel angebracht. Sie erinnerte an die Grundsteinlegung und an die Einweihung des Gotteshauses.

Das höchste Gebäude Warschaus

Die Dreifaltigkeitskirche entstand auf einem der damals höchsten Punkte Warschaus. Aufgrund ihrer mächtigen Kuppel überragte sie lange Zeit die umliegende Bebauung und gehörte zu den höchsten Gebäuden der Stadt.

Ihre Größe bereitete selbst einigen Mitgliedern der evangelischen Gemeinde Sorgen. Sie befürchteten, dass ein derart monumentales protestantisches Gotteshaus negative Reaktionen bei der katholischen Mehrheit hervorrufen könnte.

Hinzu kam der prestigeträchtige Standort im Zentrum Warschaus, nur wenige Gehminuten vom Königsweg, dem Sächsischen Garten und den wichtigsten königlichen Residenzen entfernt. Die Kirche machte deutlich, dass die Protestanten einen festen Platz in der Gesellschaft der polnischen Hauptstadt beanspruchten.

Während des Kościuszko-Aufstandes von 1794 nutzten polnische Offiziere die Laterne auf der Kuppel als Beobachtungspunkt. Von dort verfolgten sie die Bewegungen der feindlichen Truppen rund um Warschau.

Ein bedeutendes Zentrum der Musik

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts war die Dreifaltigkeitskirche für ihre außergewöhnliche Kirchenmusik bekannt. Musik begleitete nicht nur die regulären Gottesdienste. In der Kirche fanden auch Konzerte statt, bei denen bekannte Musiker und Komponisten auftraten.

Zu ihnen gehörte der junge Fryderyk Chopin. Im April 1825 spielte er in der Dreifaltigkeitskirche auf einem Choralion, einem damals neuartigen Tasteninstrument. Das Konzert fand in Anwesenheit des russischen Zaren Alexander I. statt.

Mit der Gemeinde waren zahlreiche Persönlichkeiten verbunden, die die polnische Geschichte, Wissenschaft und Kultur mitprägten. Zu den Vorsitzenden und Mitgliedern des Kirchenkollegiums gehörten unter anderem der Bankier Piotr Tepper, der Sprachwissenschaftler Samuel Bogumił Linde, der Arzt Wilhelm Malcz und der Maler Wojciech Gerson.

Samuel Bogumił Linde schuf das erste umfassende Wörterbuch der polnischen Sprache. Wojciech Gerson wiederum gehörte zu den bedeutendsten polnischen Malern des 19. Jahrhunderts.

Leopold Otto und die polnische patriotische Bewegung

Im Jahr 1849 wurde Pfarrer Leopold Otto zum zweiten Pfarrer der Gemeinde berufen. Er war ein hervorragender Prediger und setzte sich dafür ein, die polnische Sprache und eine polnisch-evangelische Identität innerhalb der Warschauer Gemeinde zu stärken.

Otto erfreute sich auch außerhalb der evangelischen Gemeinschaft großer Beliebtheit. Er engagierte sich sozial und beteiligte sich an den patriotischen Demonstrationen, die dem Januaraufstand von 1863 vorausgingen.

Am 27. Oktober 1861 wurde er von den russischen Behörden verhaftet und in der Warschauer Zitadelle inhaftiert. Gemeinsam mit ihm kam auch Ksawery Szlenkier, der damalige Vorsitzende des Kirchenkollegiums, ins Gefängnis.

Die Geschichte der Dreifaltigkeitsgemeinde zeigt damit, dass die Warschauer Lutheraner nicht außerhalb der polnischen Gesellschaft standen. Viele von ihnen beteiligten sich aktiv am kulturellen, sozialen und politischen Leben des Landes.

Der geodätische Nullpunkt Warschaus

Eine außergewöhnliche Bedeutung erhielt die Kirche während des Baus der modernen Warschauer Wasserversorgung und Kanalisation im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts.

Für die Planung der unterirdischen Leitungen benötigten die Ingenieure äußerst genaue Stadtpläne. Die Arbeiten standen unter der Leitung von William Lindley und später seines Sohnes William Heerlein Lindley, die eines der modernsten Wasser- und Kanalisationssysteme Europas schufen.

Zur Vermessung Warschaus wurde ein Netz aus festen geodätischen Orientierungspunkten eingerichtet. Der wichtigste Punkt lag im Zentrum dieses Systems: das Kreuz beziehungsweise die Laterne auf der Kuppel der Dreifaltigkeitskirche.

Dort wurde für die Vermessungsarbeiten ein Theodolit aufgestellt. Die Position der Kirche bildete den zentralen Punkt des Triangulationsnetzes erster Ordnung und bestimmte die Hauptachsen der sogenannten Lindley-Pläne in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung.

Das Kreuz der Dreifaltigkeitskirche erhielt in diesem lokalen Koordinatensystem die Werte 0,0. Damit wurde das Gotteshaus zum historischen geodätischen Nullpunkt Warschaus.

Die Kirche war also nicht nur ein religiöses und architektonisches Wahrzeichen. Ihre Kuppel bildete buchstäblich den Ausgangspunkt für die genaue kartografische Erfassung der modernen Stadt.

Modernisierung und Ausbau der Kirche

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Innenraum der Dreifaltigkeitskirche schrittweise modernisiert. Die Fenster erhielten farbige Glasmalereien, die das Licht im Inneren des klassizistischen Zentralbaus veränderten.

Im Jahr 1901 wurde eine Gasbeleuchtung installiert. Ein Jahr später erhielt die Kirche eine große Orgel der renommierten Firma E. F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg. Das Unternehmen baute später auch Instrumente für zahlreiche bedeutende Kirchen und Konzertsäle Europas.

Der Erste Weltkrieg hinterließ deutliche Spuren. Im Jahr 1917 beschlagnahmten die deutschen Besatzungsbehörden die Glocken und die Kupferverkleidung der Kuppel. Das Metall wurde für militärische Zwecke eingeschmolzen.

Nach der Wiedererlangung der polnischen Unabhängigkeit begann die Gemeinde mit der Beseitigung der Kriegsschäden. In der Fabrik von Karol Schwabe in Biała wurden neue Glocken gegossen. Sie erklangen erstmals am 30. Dezember 1929, dem Jahrestag der Einweihung der Kirche.

Zwischen 1935 und 1938 wurde die Kuppel erneut mit Kupferblech gedeckt. Gleichzeitig vergoldete man das Kreuz auf der Laterne.

Am 8. Mai 1932 fanden die Hauptfeierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Einweihung statt. Zu den Ehrengästen gehörte der polnische Staatspräsident Ignacy Mościcki.

Die soziale Arbeit der evangelischen Gemeinde

Die Dreifaltigkeitsgemeinde gehörte vor dem Zweiten Weltkrieg zu den wichtigsten protestantischen Institutionen Polens. Neben ihrer religiösen Tätigkeit unterhielt sie ein umfangreiches Netz kultureller, sozialer, medizinischer und pädagogischer Einrichtungen.

Zu diesen Einrichtungen gehörten:

  • das Evangelische Krankenhaus,
  • ein Altenheim,
  • ein Waisenhaus,
  • eine Unterkunft für Frauen,
  • eine Nähstube,
  • ein Wohnheim für Jungen,
  • ein Kindergarten und eine Kinderkrippe,
  • das Erholungsheim „Tabita“ für Rekonvaleszenten,
  • mehrere Grund- und Gemeindeschulen,
  • das Mikołaj-Rej-Gymnasium für Jungen,
  • das Anna-Wasa-Gymnasium für Mädchen.

Damit beschränkte sich die Tätigkeit der Gemeinde nicht auf die sonntäglichen Gottesdienste. Sie betreute Kranke, ältere Menschen, Waisen, Kinder und sozial benachteiligte Einwohner Warschaus.

Von den ehemaligen Einrichtungen bestehen heute vor allem das Evangelische Diakoniezentrum „Tabita“ in Konstancin-Chylice und die evangelische Kirche im Warschauer Stadtteil Włochy fort.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Die größten Verluste erlitten die Dreifaltigkeitskirche und ihre Gemeinde während des Zweiten Weltkrieges.

Bereits am 16. September 1939 wurde das Gotteshaus während der deutschen Bombardierung Warschaus von Brandbomben getroffen. Die Kirche geriet in Flammen. Die Kuppel stürzte ein, und große Teile der historischen Ausstattung wurden vernichtet.

Die deutschen Besatzer verhafteten zahlreiche polnische evangelische Geistliche. Viele von ihnen wurden in Gefängnissen und Konzentrationslagern inhaftiert. Zu den bekanntesten Opfern gehörte Bischof Juliusz Bursche, der sich entschieden mit Polen identifizierte und die Germanisierung der polnischen Lutheraner ablehnte. Er starb 1942 in deutscher Haft.

Bis 1942 wurden polnischsprachige Gottesdienste in der Garnisonkirche im Stadtteil Mokotów, der heutigen Christi-Himmelfahrts-Kirche, sowie in einem Konfirmandensaal des Gemeindehauses gefeiert.

Im Jahr 1942 beschlagnahmten die Besatzungsbehörden diese Gebäude. Das Gemeindehaus wurde als Militärkrankenhaus genutzt, während die Kirche in Mokotów zeitweise als Lager und Stall diente. Die lutherischen Gottesdienste wurden daraufhin in der evangelisch-reformierten Kirche fortgesetzt.

Nach dem Warschauer Aufstand von 1944 standen von der Dreifaltigkeitskirche nur noch ausgebrannte Mauern. Auch das Pfarrhaus, das Eckgebäude und die Gemeindeschule waren zerstört oder schwer beschädigt. Lediglich das Gebäude an der Kredytowa-Straße 4 befand sich in einem vergleichsweise guten Zustand.

Der schwierige Wiederaufbau

Bereits 1945 beschloss die Gemeinde, ihre Kirche wiederaufzubauen. Die Pläne erarbeitete der Architekt Teodor Bursche. Sie wurden vom Warschauer Wiederaufbaubüro, dem Biuro Odbudowy Stolicy, genehmigt.

Ein von den Gemeindemitgliedern gewähltes Komitee koordinierte die ersten Bauarbeiten. Die politischen Verhältnisse im kommunistischen Polen erschwerten jedoch das Vorhaben.

Im Jahr 1951 übernahm das Ministerium für Kultur und Kunst das Gebäude. Die Behörden planten, die ehemalige Kirche nach dem Wiederaufbau als staatlichen Konzertsaal zu nutzen. Unter staatlicher Leitung wurde 1953 die neue Kuppel fertiggestellt.

Erst nach dem politischen Tauwetter des sogenannten Polnischen Oktobers von 1956 wurde die Kirche an die Evangelisch-Augsburgische Dreifaltigkeitsgemeinde zurückgegeben.

Am 18. November 1956 fand der erste Gottesdienst in dem noch unfertigen Gebäude statt. Im Inneren stand ein Wald aus Baugerüsten. An einem der Fenster wurde ein provisorischer Altar errichtet. Gleichzeitig kehrte das Kreuz auf die Laterne der Kuppel zurück.

In den folgenden zwei Jahren wurden die Arbeiten im Inneren fortgesetzt.

Die erneute Einweihung im Jahr 1958

Am 22. Juni 1958 wurde die wiederaufgebaute Dreifaltigkeitskirche feierlich eingeweiht. Die Eröffnung nahm Pfarrer Zygmunt Michelis vor. Die eigentliche Weihe leitete Bischof Karol Kotula, der damalige Leiter der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

An der Feier nahmen rund einhundert lutherische Geistliche aus Polen und dem Ausland teil. Außerdem waren Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen und des Lutherischen Weltbundes anwesend.

Die Wiedereinweihung entwickelte sich zu einem bedeutenden ökumenischen Ereignis. Neben lutherischen Geistlichen aus Europa und Nordamerika nahmen Vertreter der Evangelisch-Reformierten Kirche, der Polnisch-Autokephalen Orthodoxen Kirche und der Altkatholischen Kirche der Mariaviten teil.

Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. Vor dem Eingang versammelte sich eine große Menschenmenge, da nicht alle Gläubigen im Inneren Platz fanden.

Wie damals gehört die Dreifaltigkeitskirche auch heute zu den wichtigsten Orten ökumenischer Begegnungen in Warschau.

Die Rückkehr des historischen Glanzes

In den folgenden Jahrzehnten erhielt die Kirche schrittweise einen Teil ihrer früheren Ausstattung zurück.

Im Jahr 1961 wurden zwei längliche Fenster an den Seiten des Altars mit Glasmalereien ausgestattet. Finanziert wurden sie von der Witwe des Unternehmers Jan Wedel, dessen Familie zu den bekanntesten evangelischen Familien Warschaus gehörte.

Die Gestaltung der übrigen Kirchenfenster wurde durch die Unterstützung von Cecylia Dudzińska ermöglicht und 1994 abgeschlossen.

Im Jahr 1963 schenkte die Evangelisch-Reformierte Gemeinde der Dreifaltigkeitsgemeinde ein besonders wertvolles Exemplar der sogenannten Radziwiłł-Bibel. Diese polnischsprachige Bibel war 1563 in Brest gedruckt worden. Bis heute wird sie bei wichtigen Festgottesdiensten auf den Altar gelegt.

Im März 1964 wurde ein neuer Altar nach einem Entwurf von Professor Teodor Bursche eingeweiht.

An der westlichen Innenwand brachte man 1970 eine von Alina Bursche entworfene Gedenktafel an. Sie erinnert an die Gemeindemitglieder und Landsleute, die zwischen 1939 und 1945 ihr Leben für Polen verloren.

Im Jahr 1981 beging die Gemeinde zwei große Jubiläen: 400 Jahre evangelisches Leben in Warschau und den 200. Jahrestag der Einweihung der Dreifaltigkeitskirche. Die wichtigsten Jubiläumsgottesdienste fanden am 3. Mai, am 25. Oktober und am 31. Dezember statt.

Eine Kirche als Teil der Warschauer Geschichte

Die Geschichte der Dreifaltigkeitskirche ist untrennbar mit der Geschichte Warschaus verbunden. Das Gotteshaus erinnert an die schwierige Stellung religiöser Minderheiten, an den Kampf um Glaubensfreiheit und an die schrittweise Integration der Protestanten in die Gesellschaft der polnischen Hauptstadt.

Die Gemeindemitglieder waren Kaufleute, Bankiers, Ärzte, Künstler, Wissenschaftler, Handwerker und Unternehmer. Viele von ihnen engagierten sich für die polnische Kultur, unterstützten patriotische Bewegungen und bauten soziale Einrichtungen auf, die allen Einwohnern der Stadt offenstanden.

Auch die Geistlichen der Gemeinde prägten mehrere Generationen Warschauer Lutheraner. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde zunächst von Bischof Zygmunt Michelis geleitet. Ihm folgten Ryszard Trenkler, Jan Walter, Włodzimierz Nast und seit 2007 Pfarrer Piotr Gaś.

Die Dreifaltigkeitskirche hat religiöse Verbote, politische Verfolgungen, Kriege, Zerstörung und Enteignung überstanden. Heute erhebt sich ihre Kuppel wieder über dem Małachowski-Platz – als eines der bedeutendsten klassizistischen Bauwerke Warschaus und als sichtbares Zeichen dafür, dass die evangelische Gemeinschaft seit Jahrhunderten zur Geschichte der Stadt gehört.

Gründer von Walking Warsaw und lizenzierter Stadtführer in Warschau

"Mein polnisches Herz pumpt das Blut ins deutsche Hirn"

antoni@meinwarschau.com

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