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Das Warschauer Stadtmuseum. Neun Gebäude, eine Geschichte.

Das Museum der Stadt Warschau ist ein Ort, welches die Geschichte über Warschau und seine Bürger seit den Anfängen bis zur Gegenwart erzählt. Hier erfährt der Gast sehr viele interessante Details, die es ihm ermöglichen Warschau von Grund auf kennenzulernen. Es ist kein typisches historisches Museum, welches die Geschichte Jahrhundert um Jahrhundert aufzeigt und erklärt. Vielmehr kann man sich hier ein Thema aussuchen, welches einen interessiert, und eintauchen. Unsere Gäste sagen oft, dass es ein schönes Museum ist. Und tatsächlich, es gibt hier sehr viele Sachen und Gegenstände, die sehenswert sind und manchmal sogar den Bezug zu Warschau vergessen lassen.

Nachfolgend möchten wir Euch im Detail erzählen, was es hier zu sehen gibt. Falls Ihr jedoch nur eine touristische Übersicht benötigt, dann klickt doch einfach auf den folgenden Link.

Allgemeiner Überblick

Das Museum besteht schon seit 1936 und trotz seiner dramatischen Geschichte ha es bis heute über 300 Tausend Objekte in seiner Sammlung. Nach de letzten Renovierung der Gebäude und Neugestaltung der Ausstellung in den Jahren 2014 – 2018 werden heute 8000 Objekte in 21 Räumen in 9 Gebäuden auf 5 Etagen . Es werden nur Originale ausgestellt. Zudem stammen alle Objekte aus Warschau und der Umgebung. Die neun nebeneinander stehenden Bürgerhäuser stellen zusammen die Nordseite des Warschauer Altstadtmarktes. Zwei weitere Bürgerhäuser, die ebenfalls zum Stadtmuseum gehören und in denen sich Museumsfilialen mit anderen Themen befinden, runden alles ab. Die Gebäudereihe auf dem Marktplatz ist im Innern miteinander verbunden. Das ist auch der Grund, warum man sich hier manchmal wie in einem Labyrinth fühlt. Die Gäste spazieren durch ehemalige Wohnungen und Treppenhäuser, es ist womöglich noch niemandem gelungen sich nicht zu verlaufen. Das ist so von den Verantwortlichen gewollt. Man sollte sich also nicht auf eine konkrete Besichtigungsreihenfolge festlegen und vor allem zwingt das Museum den Gästen kein Narrativ auf.

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Das Lapidarium im Stadtmuseum Warschau (Erdgeschoss)

Kellerbereich

In der Warschauer Altstadt wurden mit den Geldern des Norway-Grants-Programms zahlreiche Kellerbereiche in der Art restauriert, dass man dort kulturelle Einrichtungen installieren konnte. So ist der erste Bereich des Stadtmuseums ebenfalls Benefizient dieser polnisch-norwegischen Zusammenarbeit. An dieser Stelle beginnt die Ausstellung des Museums.

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Kellerbereich © City of Warsaw

Wenn Du an der Kasse ein Ticket erworben hast, begib Dich nach unten (wo sich auch eine Garderobe befindet) und betrete den ersten Raum. Die Themen sind „Daten von Warschau“ und „Sachen von Warschau„. Du bekommst hier einen guten Einblick in die verschiedenen Entwicklungsstufen der Stadt in demographischer, geographischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht. Alle Informationen werden auf großformatigen Grafiken dargestellt, sodass man sich auch setzen und jene Daten in Ruhe analysieren kann.

Highlights in dem Kellerbereich sind Miniaturen der historisch höchsten Gebäude der Stadt oder auch die Evolution der Häuserreihe, in welcher sich die Gäste befinden, also der Zustand vor, während und nach dem 2. Weltkrieg. Da wird einem auch bewusst, wie gravierend die Zerstörungen waren und welche Arbeit tatsächlich hinter der Renovierung steckt.

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Eine Zeittafel mit der demographischen Entwicklung

Abgerundet wird die Ausstellung im Kellerbereich mit archeologischen Fundstücken, die man während der Rekonstruktion der Altstadt 1949-1956 gefunden hatte. Hier wird einem klar, warum dieser Bereich die Bezeichnung „Sachen von Warschau“ trägt. Die Projektanten und Ideengeber der 2014-2018 neu konzipierten Ausstellung wollten die Geschichte greifbar machen und sich nicht nur auf historische Fakten stützen. Scheinbar unwichtige oder gar wertlose Gegenstände bekommen dahingehend eine Funktion und Aufgabe. An welchen historischen Ereignissen nahmen die Sachen Teil, wem dienten sie in welchen Lebensbereichen, welchen Einfluss hatten sie auf die historischen Prozesse, wem nutzten sie und wem waren sie ein Hindernis? Das sind die richtigen Fragen, die man sich hier stellen sollte.

Dieses Konzept ist insofern gelungen, da es auf gelungene Weise den Bezug zur Zerstörung der Stadt Warschau während des 2. Weltkrieges herstellt. Nahezu 90 Prozent der Stadt Warschau wurde in die Luft gesprengt. Dadurch haben auch die kleinsten Gegenstände an Bedeutung gewonnen, auch wenn sie keinen materiellen Wert mehr haben.

Auf der gesamten Ausstellung gibt es Gegenstände die auf grauem Hintergrund angebracht oder auf einer grauen Sockel gestellt wurden. Diese Objekte haben eine genauere Beschreibung. Suche sie auf.

Erdgeschoss

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Das Original

Eine Etage höher im Erdgeschoss findest Du Miniaturen der bekanntesten Denkmäler in Warschau, darunter die Sigismundsäule oder das Denkmal des Warschauer Aufstandes. In diesem Bereich kannst Du auch über 100 Darstellungsformen der Warschauer Seejungfer besichtigen, darunter die Originalstatue der Seejungfer auf dem Markplatz. In weiteren Räumlichkeiten findest Du historische Souvenirs und Postkarten sowie alte Statpläne und Karten von Warschau. Im sogenannten Lapidarium, dem repräsentativen Foyer, welches sich zwischen den Bürgerhäusern befindet, werden architektonische Details ausgestellt, die zum Großteil aus der Weichsel gefischt wurden, als diese in den Jahren 2009 – 2014 einen rekordverdächtigen Tiefststand aufwies. Als die Schweden 1655 Warschau plünderten, nahmen sie alles, was nicht nieht- und nagelfest war, mit nach Schweden. Manchmal waren die architektonischen Elemente zu schwer, sodass sie diese in den Fluss werfen mussten.

1. Etage

Die Objekte im ersten Stockwerk ist vor allem für Fotographieliebhaber interessant. Zweihundert Jahre Fotographiegeschichte in Warschau wird durch eine Malereiausstellung und zahlreciehn Skizzen vervollständigt.

2. Etage

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Die Miniatur des Denkmals von Sigismund auf dem Schlossplatz

In dieser Etage hatte ich im Oktober 2021 eine Schulung mit einem Mitarbeiter des Museums. Er führte uns zur Silberausstellung und ich befürchtete, dass seine Erläuterungen ziemlich langweilig sein würden. Doch als er anfing über einzelne Objekte zu sprechen, war ich erstaunt, wieviel ich hier lernen konnte. Seit dieser Schulung empfehle ich allen Gästen das Stadtmuseum mit einem Musemsführer zu besichtigen. Nicht nur verbringt man hier weniger Zeit, aber man verbringt sie hier wesentlich effizienter und lehrreicher. Warum wurden immer zwei Salzstreuer miteinander verbunden? Warum wurden die Zuckerdöschen mit einem Schloss ausgestattet? Welche Funktion hatten wir runde Behälter, die miteinander verschweißt waren? Wie sah eine Butterdose mit einem Kühlungssystem im 19. Jahrhundert aus? Und hast Du schon mal ein Werkzeug aus Silber gesehen, mit welchem man die Spitze eines gekochten Eis abschneiden konnte? Gezielt kann man sich auf die wichtigsten Objekte konzentrieren und wirklich jede Menge dazulernen.

In zwei Räumen werden plattierte und ganz aus Silber bestehende Gegenstände ausgestellt. Das älteste Ausstellungsstück ist von 1759, aus einer Zeit, als die Wettinger aus Sachsen auf dem polnischen Thron saßen.

Im nächsten Raum hängen Portraits von bekannten, aber auch von unbekannten Warschauern. Die Kuratoren haben die Personen in vier Abteilungen geteilt und so gibt es die „Wand der Macht“, „Die Wand der Frauen“, „Die Wand der Berufe“ und die „Wand der Militärs“.

In weiteren Räumen werden Medaillen, Bronzegegenstände und Kleidungsstücke ausgestellt. Ein Hemd ist nur einige Tage vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges gekauft worden, wurde jedoch nie ausgepackt. Bis heute ist das Etikett immer noch am Hemd. Ein Schuh ist aus Schweinsleder geschustert worden, weil keine anderen Rohstoffe zur Verfügung standen. Das war äußerst ungemütlich, aber immerhin hatte der Käufer Schuhe. Alle Objekte haben einen Bezug zu Warschau oder stammen direkt aus Warschauer Werkstätten.

Ein Highlight ist hier eine Decke mit schönen Malereien aus dem 17. Jahrhundert. 

3.Etage

Ausstellung von Ludwik Gocel (1889 – 1966), einem leidenschaftlichen Sammler, der dem Museum die gesamte Kollektion übergeben hatte.

Der Raum mit den Reliquien hat einen sehr emotionalen Bezug. Zusätzlich werden hier Verpackung von Warschauer Unternehmen und patriotische Lederaccessoires ausgestellt.

4. Etage

In der 4. Etage befindet sich die Ausstellung der berühmten Warschauer Familie Schiele. Konstanty Schiele kaufte mit seinem Schwager Blazej Haberbusch 1846 eine Brauerei im Stadtbezirk Wola. In der Zwischenkriegszeit war das eine der größten Brauereien Polens und gehörte zu den größten Unternehmen dieser Art in Europa. Das Unternehmen existiert heute nicht mehr.

In diesem Bereich gibt es noch eine Uhrenausstellung.

5. Etage

In der 5. Etage erwartet Dich ein schöner Ausblick auf den Marktplatz. Zu sehen sind auch die Dächer der Jesuitenkirche sowie der Johanneskathedrale.

Gründer von Walking Poland und lizenzierter Stadtführer in Warschau

"Mein polnisches Herz pumpt das Blut ins deutsche Hirn"

antoni@meinwarschau.com

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