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Die Chopin-Familie

Beitragsinhalt

Die Eltern von F. Chopin

— noch in Frankreich

— schon in Polen

— die letzten Jahre

Die Großeltern und darüber hinaus
Frédérics Schwestern

— Ludwika

— Izabella

— Emilia

Quellen
Info zum Beitragsbild

Die Eltern von Frédéric Chopin

Nikolaus (Mikołaj/Nicolas) Chopin betrat polnischen Boden zum ersten Mal als siebzehnjähriger Junge. Es war das Jahr 1787 und damals existierte die 1. Rzeczpospolita noch. Er kam nach Warschau mit einer Gruppe Polen. Derjenige, dem wir es zu verdanken haben, dass 1810 im winzigen Dorf Żelazowa Wola ein Musikgenie zur Welt kam, heißt Adam Weydlich. Er nämlich überredete den jungen Franzosen ihn nach Warschau zu begleiten.

Frankreich hat er nie wieder gesehen!

Nikolaus Chopin ist am 15. April 1771 in Marainville (Karte) in Frankreich geboren. Er hatte noch vier Geschwister. Zwei starben sehr früh noch im Kindesalter. Zwei weitere waren seine Schwestern Anna und Margarethe.

Noch in Frankreich

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Nikolaus Chopin – Gemälde von Ambroży Mieroszewski (1802-1844)

Adam Weydlich verbrachte viele Jahre in Marainville in Lothringen in der Nähe von Nancy. Er ließ es sich als Gutsverwalter relativ gut gehen, wohnte in einem Schloß und arbeitete für den polnischen Magnaten Michał Jan Pac. Dieser wiederrum gehörte zu einer der einflußreichsten aristokratischen Familien in Polen. Aufgrund der Zugehörigkeit zur Konföderation von Bar, dessen Miglieder sich gegen den polnischen König und das russische Zarenreich vereinten, musste er nach der endgültigen Niederlage als politischer Flüchtling Polen verlassen. Es verschlug ihn nach Lothringen, wo er beim Fürstbischof Louis René Édouard de Rohan-Guéméné Unterschlupf und Schutz fand. Dummerweise war dieser edle Herr in die gegen Marie-Antoinette gerichtete Halsbandaffäre verstrickt. Seine Rolle hat er in dieser Sache sehr schlecht gespielt und wurde schließlich von Ludwig XIV. ins Gefängnis gesteckt, wo er vom 15. August 1785 bis zum 31. Mai 1786 saß. Seine Ämter hat er daraufhin alle verloren und zog sich in ein Kloster zurück, was Michał Pac in eine zwicklige Lage brachte. Noch bevor Adam Weydlich einen neuen Schutzpatron finden konnte, machte sich die ganze Familie schon auf den Weg zurück nach Warschau und nahmen Nikolaus Chopin mit.

Adam Weydlich, der den jungen Nikolaus in der Kaligrafie, Poesie und Buchhaltung lehrte, ihm Fremdsprachen beibrachte sowie ihm die Regeln des savoir-vivre näherbrachte, bot ihm eine Teilnahme an der Führung seiner Geschäfte an, was dieser gerne, wie es scheint, annahm.

Schon in Polen

17 Jahre lang lebte Nikolaus als Single, wie man heute sagen würde. Zunächst arbeitete er in der Tabakfabrik von Adam Weydlich. In den späteren Jahren verdiente er sein Geld als Beamter und Buchhalter. Während des Kościuszko-Aufstandes von 1794 trat er sogar der Stadtmiliz bei und erhielt den Rang eines Leutnants (porucznik). Da schon nach der 2. Polnischen Teilung die Fabrik von Adam Weydlich beschlagnahmt wurde, musste er sich dringend eine neue Einstellung suchen. Das war jedoch nicht so einfach, weshalb er überlegte zurück nach Frankreich zu reisen. Schön, dass er es sich dann doch anders überlegte.

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Justyna Chopin geb. Krzyżanowska. Gemälde von Ambroży Mieroszewski

Wer suchet, der findet auch und so wurde er als Hauslehrer in der Familie Łączyński eingestellt. Eine der vier Töchter war die junge Maria, die später in die Geschichtsbücher als wohl bekannteste polnische Liebhaberin Napoleons einging. Vermerkt sei dabei, dass sie während der Liebeleien mit Anastazy Walewski verehelicht war. Der hatte jedoch nicht nur nichts dagegen, sondern förderte sogar die Liebesaffäre. Schließlich lag das Los des Landes auf der Waagschale.

Sein nächster Halt war Żelazowa Wola auf dem Hof der Familie Skarbek, wo er ebenfalls Hauslehrer der vier  Kinder war.

Dort heiratete er am 28. Juni 1806 die 24-jährige Tekla Justyna Krzyżanowska (1782-1861), die aus dem verarmten Adel stammte. Ihr Vater war Jakub Krzyżanowski, der viele Jahre lang das Eigentum der Familie Skarbek in Kujawien verwaltete. Geheiratet wurde in Brochów, wo Frédérich später auch die Taufe erhielt.

Nikolaus und Justyna verband vor allem die Leidenschaft zur Musik. Er spielte auf der Flöte und Violine, sie hingegen spielte Klavier und sang.

Die letzten Jahre

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Das Grab der Eltern von Chopin auf dem Powązki-Friedhof in Warschau / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Im Oktober 1810 zog die Familie nach Warschau in das Sächsische-Palais, wo sich das Warschauer Lyceum befand und Nikolaus als Französischlehrer eingestellt wurde.

Nikolaus Chopin verstarb am 3. Mai 1844. Seine Frau Justyna hingegen am 1. Oktober 1861. Beide sind auf dem Powązki-Friedhof in Warschau begraben. Nikolaus sah seine Heimat Frankreich nach seiner Ausreise nie wieder.

Den Tod des Vaters steckte der damals 34-jährige Frédéric nicht so einfach weg. Er schottete sich von seinen Freunden ab und verbrachte viel Zeit in Einsamkeit.Damals war er schon viele Jahre in Frankreich konnte nicht an der Beerdigung teilnehmen.

Die Großeltern und darüber hinaus

Frédérics Großvater François (1737-1814) war Stellmacher. Seine Großmutter hieß Marguerite, geb. Delfin. Neben seinem handwerklichen Beruf betätigte sich François als eine Art Syndikus in seinem Dorf.

Vier Vorgängergeneration lang waren die Chopins alle Handwerker. Sie hatten ein eigenes Gut, bauten auf ihren Feldern Obst und Gemüse für den Eigengebrauch an und hatten sogar Weinstöcke. Man würde aber nicht so weit gehen und sie als Winzer bezeichnen.

Der erste Chopin kam nach Lothringen im Jahre 1705 aus einem Alpendorf namens Saint-Crépin. Er hieß Francois Chapin (nein – nicht Chopin!) und schlug hier die ersten Chopin-Wurzeln. Das gelang ihm relativ gut. Seinen Nachnamen änderte er etwas um. Entweder hat sich allerdings der dortige Pfarrer beim Schreiben vertan oder aber wollte François seine dunkle Lebensgeschichte verdecken. Wir werden es wohl nie erfahren.

Frédérics Schwestern

Man weiß, dass Frédéric nach seiner Ausreise nach Frankreich nahezu täglich Briefe an seine Familie in Warschau schrieb und andersherum auch viele Briefe erhielt.

Frédéric Chopin hatte 3 Schwestern.

  • Ludwika Chopin-Jędrzejewicz (1807–1855)
  • Izabella Chopin-Barcinska (1811–1881)
  • Emilia (1812–1827)

Ludwika

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Ludwika Jędrzejewicz geb. Chopin

Ludwika war eine sehr gebildete Frau mit vielen Interessen. Sie schrieb Bücher und literarische Texte. Auch musikalisch war sie sehr aktiv. Sie spielte Klavier und war die erste, die dem kleinen Frédéric dieses Instrument näherbrachte.

Am 22. November 1832 heiratete sie Józef Kalasanty Jędrzejewicz.

Sie besuchte Frédéric in Paris zwei Mal – 1844 und 1849. Der zweite Besuch brachte sie zum Sterbebett des Musikgenies. Damals war auch ihre Tochter – ebenfalls Ludwika – anwesend. Insgesamt hatte sie vier Kinder. Ihr ältester Sohn Henryk Bronisław (1833-1890) war polnischer Offizier während des Januaraufstandes von 1863-1864. Ihre vorhin erwähnte Tochter Ludwika Magdalena (1835-1890) heiratete den Gutsbesitzer Ludwik Ciechomski. Ihre Nachfahren leben bis heute.

Der dritte und vierte im Bunde waren Fryderyk Bolesław (1840-1857) und Antoni Żelisław (1843-1922).

Ludwika erfüllte auch den letzten Wunsch Frédérics und brachte sein Herz nach Warschau, welches sich bis heute in der Heilig-Kreuz-Kirche in einer Säulenmauer befindet.

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Lesen Sie auch – Die Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau. Hier ruht das Herz von Frédéric Chopin

Izabella

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Izabella Barcińska geb. Chopin

Izabella heiratete 1834 Antoni Barciński, welcher unter anderem ein Buch über Die Börse in Paris (!) schrieb.

Sie schrieb zusammen mit Ludwika zwei Bücher.

Aus der Wohnung der Barcińskis, welche sich im Zamoyski-Palais an der Nowy-Świat-Straße befand (das Gebäude steht bis heute), warfen russische Soldaten während des Januaraufstandes 1863-1864 das Klavier von Frédéric aus dem Fenster.

Sie hatte keine Kinder.

Sie wurde im Familiengrab der Barcińskich auf dem Powązki-Friedhof in Warschau beigelegt.

Emilia

Emilia wurde leider nur 15 Jahre alt.

Quellen:

  • Mysłakowski, Piotr: Warszawa Chopinów. Warszawskie adresy Chopinów na podstawie źródeł ustalone, Warszawa 2012, Narodowy Instytut Fryderyka Chopina, S. 17-22 [polnisch].
  • Solińska, Ewa: Tajemnice Chopina, Warszawa 2012, 2. Auflage, Oficyna Wydawnicza RYTM [polnisch] – ISBN 978-83-7399-516-1

Beitragsbild: Die Chopin-Familie / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

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