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Żelazowa Wola – der Geburtsort von Frédéric Chopin

Lage (Karte)

Żelazowa Wola ist für die Romantiker ein magischer Ort. Es scheint, als ob die Musik Chopins nur hier nach Masurkas riecht und dass der nachdenkliche Chopin zwischen den exotischen Bäumen umherschlendert.

In diesem winzigen und ruhigen Dorf in der Gemeinde Brochów im Kreis Sochaczew am Rande des Kampinos-Nationalparks steht das Geburtshaus Frédéric Chopins. Bis zur Warschauer Innenstadt sind es 55 Kilometer.

Damals gab die 1. Rzeczpospolita nicht mehr. Das Königreich fiel mit der 3. Polnischen Teilung endgültig in die Hände der Preußen, Russen und Österreicher. Auf dem Wiener Kongress von 1815 wurde das Königreich Polen geschaffen, dessen Könige in Personlaunion auch die Zaren von Russland waren. Man nannte diesen Teil Russlands auch Kongresspolen.  Das Los in den eigenen halten sollten die Polen erst wieder in 103 Jahren.

Geschichte des Geburtshauses

Bis 1834

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Wehrkirche in Kirche. Hier wurde F. Chopin getauft / Hubert Śmietanka [CC BY-SA 2.5]

Am 1. März 1810 kam hier Frédéric Chopin als zweites Kind von Nikolaus Chopin und seiner Frau Justyna Chopin, geb. Krzyżanowska, zur Welt. Dieses Datum wurde von ihm selbst stets so angegeben. In seiner Taufkirche in Brochów wurden 1892 jedoch Eintragungen entdeckt, welche als Geburtsdatum den 22. Februar angeben. Geklärt ist dieses „Geburtsdatumsproblemchen“ bis heute nicht und wird wohl auch nie geklärt werden. Aber zumindest haben die Historiker einen Grund mehr, um heftige Dispute zu führen.

Frédéric hatte drei Schwestern. Ludwika (1807-1855) war das älteste Kind der Chopin-Familie. Sie brachte nach dem Tod ihres Bruders das Herz nach Warschau – unter ihrem Rock. Nach Frédéric kamen noch Izabella (1811-1881) und Emilia (1812-1827).

Es ist ein wenig Schade, dass Frédéric in einem Ort geboren wurde, dessen Name sich nur schwer vermarkten lässt. Zudem war er gerade mal 6 Monate alt, als seine ganze Familie nach Warschau gezogen ist. Würde er auf einer der damaligen Prachtstraßen Warschaus geboren, hätte Warschau eine riesige Attraktion mehr. Auf der anderen Seite besuchte der junge Frédéric seinen Geburtsort regelmäßig und es ist gut dokumentiert, welch positiven Einfluß jene ländlichen Gebiete auf seine Musik hatten. Zum letzten Mal in seinem Leben verbrachte er in Żelazowa Wola im Sommer 1830 seine Ferien.

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Masowsche Weide in Brochów am Fluss Bzura

Seit 1800 stand Żelazowa Wola und die umliegenden Felder im Besitz der Adelsfamilie Skarbek. Doch schon 1834 verlor der Eigentümer Michał Skarbek sein ganzes Hab und Gut und begann daraufhin Selbstmord.

1834 bis 1939

Nach zahlreichen Eigentümerwechseln gelangte das Gut schließlich in die Hände von Adam Towiański. Doch ihm felhten die finanziellen Mittel für den Bau einer Kapelle zu Ehren des berühmten Pianisten. Sein Nachfolger, dessen Name wohl gezielt aus den Geschichtsbüchern gelöscht wurde, brachte das Gebäude in einen schrecklichen Zustand. Als er es schließlich verkaufen wollte, forderte er dafür einen wahren Wucherpreis von 5000 Rubel. Das durch den Verein der Liebhaber der Music Chopins berufene Komitee wollte das nötige Geld zusammenbringen, doch es hat leider nicht gereicht.  Zu erwähnen ist hierbei vor allem der Komponist Milij Balakiriew aus Russland, der zwar aus der verhassten Nation der in Polen herrschenden Russen stammte, aber einen großen Einfluß hatte auf die Sammlung der nötigen Gelder.

Erst in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts kauften zwei Vereine vom letzten Eigentümer Roch Szymaniak das, was vom Landhaus noch übrig geblieben war.

Renovierungsarbeiten 2010

Um das 200. Geburtsjahr Frédéric Chopins ehrenvoll würdigen zu können, wurde das Geburtshaus komplett renoviert und auch die Gartenanlage bekam einen neuen Anstrich. Das Projekt durfte das Architekturbüro aus Lublin Stelmach i partnerzy ausführen. Im Garten knüpfte man an die Vision von Franciszek Krzywda-Polkowski an, der nach Erwerb des Gutshauses in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts 10.000 Setzlinge aus der ganzen Welt bestellte, welche er zwischen die vorhandene Flora pflanzte. Einige Exemplare wachsen dort bis heute. Wenn man genau hinschaut, findet man Japanischen Kuchenbäume, Trompetenbaum (Catalpa), Gelb-Kiefer oder Tulpenbäume. Der Garten wurde im englischen Stil des 19./20. Jahrhunderts gehalten. In der Architektur orientierten sich die Architekten an der Arts-and-Craft-Bewegung.

Die neuen Gebäude erhielten Namen wie Etiuda, Preludium oder Polonez. Alle Baumaterialien stammen aus der umliegenden Gegend.

Obelisk in Garten

Bevor man das Geburtshaus betritt, spaziert man durch den Vorgarten der Anlage. Dort befindet sich ein von Bronisław Żochowski entworfener und 1894 enthüllter Obelisk. Dieses Monument wurde u.a. von Ignacy Jan Paderewski mitfinanziert. Er war nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens 1918 Premierminister und Außenminister Polens. Bei der Enthüllungszeremonie war nur ein Russe anwesend – nämlich Milij Balakiriew.

Die masowsche Weide

Wenn die Polen an Chopin denken, kommt ihnen sofort die masowsche Weide in den Kopf. Sogar das berühmteste Denkmal Chopins im königlichen Łazienki-Park zeigt, wie Frédéric romantisch unter einer Weide sitzt. Die Weiden sind in der Gegend um Żelazowa Wola herum zu finden und prägen signifikant das Land.

Quellen:

  • Ewa Solińska: Tajemnice Chopina, Warszawa 2012, Oficyna Wydawnicza RYTM, ISBN 978-83-7399-516-1 [polnisch].

 

 

 

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