karmeliter-warschau

Karmeliter-Kirche in Warschau

Beitragsinhalt

Einführung
Die Kirche

— die Außenfassade

— die Altäre

— die Kanzel

— Renovierungsarbeiten 2010-2013

Der Orden der Unbeschuhten Karmeliter
Ein vergessenes Ereignis

— Stanisław Leszczyński – der zweimalige König von Polen

Bücherquellen
Weitere Quellen
Link zum Beitragsbild

Einführung

Welch hohen Rang die Geschichte in Polen einnimmt, kann man an der Karmeliterkirche in Warschau sehen. Obwohl sie zu den schönsten Kirchen in Warschau gehört, wird sie von den Warschauern und hiesigen Touristenführern nur in den seltensten Fällen gezeigt oder erwähnt.

Der Grund ist, dass hier geschichtlich nichts bedeutendes geschehen ist, außer der Bau der Kirche selbst. Das ist womöglich auch der Grund für die eher spärliche Anzahl an Dokumenten, die etwas belegen könnten.

Die Kirche

Der offizielle Name lautet Mariä-Himmelfahrts-und-Hl.-Josef-Kirche. 

Die Kirche wurde in den Jahren 1661-1681 erbaut, obwohl in den Geschichtsbüchern oft angegeben wird, dass die Kirche 1643 schon stand. Vielmehr wurde in diesem Jahr vielleicht der Bau begonnen oder es war nur ein kleiner Teil der Kirche sichtbar. Sogar die Ordensbücher halten in ihren Annalen dieses Jahr fest. Es hat sehr wahrscheinlich an den fehlenden finanziellen Mitteln gelegen, dass der Bau sich so sehr in die Länge zog.

Isidor Affaitati der Ältere entwarf das Projekt im Barockstil für die Unbeschuhten Karmeliter, die schon 1634 nach Warschau gekommen sind. Eingeweiht wurde sie endlich im Jahre 1716 vom Geistlichen Augustyn Wessel. Heute gehört die Kirche der Geistlichen Hochschule des Warschauer Metropolitanbistums (Metropolitan Higher Seminary in Warsaw / Wyższe Metropolitalne Seminarium Duchowne św. Jana Chrzciciela w Warszawie). In dieser Hochschule werden zukünftige Priester auf ihren geistlichen Dienst vorbereitet. Seit nun mehr als 300 Jahren gibt es diese Institution ohne Unterbrechung. Der berühmteste Absolvent war der Priester Jerzy Popiełuszko (1947-1984), der vom polnischen Sicherheitsdienst ermordet wurde.

Von 1762-1780 baute Ephraim Schröger die Außenfassade, die bisher relativ armselig ausgesehen hatte, im Stil des Klassizismus um. Es ist die erste klassizistische Fassade aus Stein im damaligen Königreich Polen.

1925 wurde an der Nordseite im neoklassizistischen Stil eine Bibliothek angebaut. Der Architekt war Konstanty Jakimowicz.

Das Gebäude wurde während des 2. Weltkrieges nicht zerstört und  funktionierte von 1945 bis zur Einweihung der wiedererrichteten Johanneskathedrale 1952 als Pro-kathedrale.

In den Jahren 2010-2015 fanden zahlreiche Renovierungsarbeiten statt.

Die Außenfassade

Während man im Innenraum noch klar den Barokstil erkennnen kann, präsentiert sich die Außenfassade im klassizistischen Stil mit einigen wenigen Elementen des Barock.

radziwill-magnaten
Wappen der Magnatenfamilie Radziwiłł / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Der Haupteingang wurde mit einem grünlich-schwarzem Marmorportal verziert, über welchem sich das Wappen der Magnatenfamilie Radziwiłł befindet (Trąba radziwiłłowska*). Die Radziwiłł-Familie war die Stifterin der Kirchenfassade.

*Die Radziwill-Trompeten: auf silbernem Feld drei Trompeten mit goldenem Zierbeschlag verbunden mit Mundstücken.

Über der Fassade sind auf beiden Seiten Glockentürme in Form von Weihrauchfässern zu erkennen. Die darin befindlichen Glocken stammen aus dem Jahr 2000. Auf der selben Höhe stehen die Figuren der Heiligen Theresa von Ávila (1515-1582) und Elija (Prophet; 9. Jahrhundert v. Chr.). Über ihren Köpfen wurden Medaillons mit ihren Büsten eingemeißelt – dummerweise falsch herum.

Weiter oben befinden sich Gestalten, die eine bestimmte Symbolik beinhalten (von links nach rechts):

  • Liebe – Mutter mit Kinde und zwei Engel
  • Kirche – päpstliche Insignien
  • Hoffnung – Frau mit Anker und einer Putte

Auf der Fassage krönt eine Kugel aus Kupfer, auf welcher sich eine Oplate befindet. Die Kugel ist verflochten mit der besiegten Schlange des Bösen. Das ergibt das Symbol des Glaubens.

Mit dieser Kugel entstand das warschauer Sprichwort  anschwellen wie das Karmelitergefäß (spuchnąć jak bania karmelicka). 

Die Altäre

Im Innenraum der Kirche befinden sich 12 Altäre:

  • Hauptaltar des Hl. Josef aus dem 18. Jahrhundert. Vorher gab es hier schon zwei Altäre. Vom ersten Altar blieb das Gemälde mit Josef und dem Christkind übrig. Vom Zweiten die Figur der Heiligen Theresa und Johannes vom Kreuz. Dazu noch die Säulen. Über dem Altar krönt Gloria mit dem Bildnis Gottes und der Weltkugel – ein Werk von Jan Jerzy Plersch.
  • Seitenaltäre: neben dem Hauptaltar gibt es noch 10 weitere Altäre jeweils 5 auf jeder Seite des Hauptschiffes. Die meisten Altäre stammen von Leon Sużyński aus dem Jahre 1857.
  • Kapelle mit dem Christusgrab direkt neben dem Presbyterium entworfen von Henryk Marcon im Jahre 1862. Die Wandmalereien stammen von seinem Sohn Karol Marconi, der Altar von Adam Nowicki

Die Kanzel

Die Kanzel stammt aus dem 18. Jahrhundert. Der Autor war wahrscheinlich Tylman van Gameren. Auf ihr sind Allegorien der vier Kontinente, die Mariä-Himmelfahrt mit einer Taube sowie die Heiligen der Karmeliterordens zu sehen.

Renovierungsarbeiten 2010-2013

Zunächst wurde der Stuck im Presbyterium aus dem 18. Jahrhundert (original) erneuert. Während dieser Arbeiten entdeckte man 3 Fresken.

Als man die Wandflächen malte ist es aufgefallen, dass die Kirche anfangs aus Sandstein gebaut werden sollte. Diese Wände sind jedoch nur 160 Zentimeter hoch, der Rest wurde aus Ziegelsteinen fertiggestellt.

Es folgte die Aufarbeitung der hölzernen Bänke und die Installation der Fußbodenheizung.

2012 wurde der Altar des Hl. Josef renoviert. Hinter dem Altar fand man ein weiteres Fresko aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts, also aus der ersten Bauphase. Das Fresko wurde nicht beendet, da der polnisch-schwedische Krieg die Bauarbeiten unterbrach. Zwischen den zwei Hauptaltären fand man eine weitere Überraschung. Es tauchte ein Chor auf, in welchem noch zwei alte Chorgeställe erhalten waren. Jene waren jedoch für die Renovierung nicht vorgesehen und müssen aufgrund fehlender finanzieller Mittel mit der Renovierung warten.

Auch die Krypten werden renoviert. Momentan finden dort Ausgrabunsarbeiten statt, da sich dort zahlreiche Skelette befinden.

Der Orden der Unbeschuhten Karmeliter

Die Karmeliter kam 1617 nach Polen und schon 1634 nach Warschau. Ihre Hauptaufgabe bestand darin die Bewohner der umliegenden Stadt zu lehren. Das erscheint umso merkwürdiger, wenn man bedenkt, dass dieser Orden der Klausur unterliegt.

Nach dem Januaraufstand 1864 wurde der Orden aufgelöst und das Gebäude wurde dem Seminarium übergeben.

Ein vergessenes Ereignis

Eine kleine Geschichte, welche in Verbindung mit der Kirche steht, gibt es dann doch. Am 1. September 1705 begannen in diesem Gebäude die Verhandlungen über den endgültigen Frieden zwischen Polen und Schweden. An den Gesprächen nahmen Stanisław Leszczyński und Karl XIII. teil. Am 18. November wurde der Frieden unterzeichnet.

In diesen Monaten war in der Kirche viel los. Sie hatte also ihre – wenn auch sehr unglücklichen – 5 Minuten.

Die Hauptakteure sind in der polnischen Geschichte zudem nicht sonderlich beliebt, was zum gezielten Vergessen dieses Ereignisses geführt haben mag.

Stanisław Leszczyński – der zweimalige König von Polen

stanislaw-leszczynski
Stanisław Leszczyński gemalt von Jan Matejko

Er ist in Lemberg (Lwów / Lviv, heute Ukraine, damals Königreich Polen) geboren und war als einziger zwei Mal König von Polen. Zunächst von 1704 bis 1709 und schließlich von 1733 bis 1736. 1705 fand in der Johanneskathedrale, damals noch eine schlichte Pfarrkirche, die erste polnische Königskrönung außerhalb Krakaus statt. Die zweite und letzte war die Königskrönung vom letzten polnischen König Stanisław August Poniatowski.

Während des Bürgerkrieges von 1704-1706 besetzten schwedische Truppen die polnische Hauptstadt Warschau. Der polnische Adel setzte den 1697 gewählten August II. den Starken (als Friedrich August I. Kurfürst und Herzog von Sachsen) 1706 ab. Erst als die Schweden bei der Schlacht bei Poltawa gegen Russland eine schwere Niederlage erlitten, zogen sie sich aus Polen zurück. Stanisław Leszczyński floh daraufhin aus Polen nach Schweden.

Als August der Starke 1733 verstarb, ging die ganze Geschichte nochmals los. Es bekäpften sich die Lager von Stanisław Leszczyński auf der einen und diejenigen von August III. auf der anderen.

Den Rest seines Lebens verbrachte er als Herr über Lothringen. Der größte Platz in Nancy heißt bis heute Place Stanislas. 

Seine Handlungen waren stets gegen das Königreich Polen gerichtet und verursachten große politische wie wirtschaftliche Schäden.

Bücherquellen:

  • Julian Bartoszewicz, Kościoły warszawskie rzymsko-katolickie opisane pod względem historycznym, Warszawa 1855, Drukarnia S. Orgelbranda przy ulicy Miodowej Nr. 495, S. 111-126 (polnisch)

Weitere Quellen:


Beitragsbild: Karmeliter-Kirche an der Krakowskie-Przedmieście-Straße in Warschau / Matpol222 [CC BY-SA 4.0 – wikimedia]

 

Ein Kommentar zu „Karmeliter-Kirche in Warschau

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s