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Die ersten Juden in Warschau (bis 1527)

Beitragsinhalt

Die Anfänge
Die Jüdische Straße in Warschau
Jüdisch-bürgerlicher Konkurrenzkampf
Die endgültige Vertreibung aus der Stadt

Die Anfänge

Es läßt sich kein Jahr benennen, in welchem die ersten Juden nach Warschau und Masowien kamen. Diese Gebiete waren in den Anfangsjahren des Bestehens des polnischen Staatswesens wirtschaftlich sehr zurückgeblieben und es gab hier insoweit auch nichts zu holen. Auf den Gebiet Warschau gibt es auch keine archeologischen Fundstücke oder schriftlichen Zeugnisse über die ersten jüdischen  Siedler. Die erste schriftliche Erwähnung überhaupt, die eine organisierte Niederlassung bezeugt, stammt aus dem Jahre 1414. Seit diesem Jahr häufen sich dann auch Schriftstücke über getätigte Handels- oder Kreditgeschäfte, dessen eine Partei jüdischer Herkunft war. Das erfordert schon eine bestehende und relativ aklimatisierte Gemeinde, die im 15. Jahrhundert ca. 120 Menschen groß war.

Die Jüdische Straße in Warschau

Die jüdische Gemeinde hatte ihr eigenes kleines Viertel auf dem Gebiet der Altstadt. Es wurde durchzogen durch die namentlich nicht mehr existierende Jüdische Strasse (ulica Żydowska). Die platea Judaeorum verlief parallel zur Piwna-Straße auf der Länge vom Wąski Dunaj bis zur Piekarska-Straße und war ca. 54 Meter lang sowie 4 Meter breit.

Auf der Karte hieß die Piwna-Straße noch ulica Św. Marcina.

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Die Jüdische Straße (Żydowska) in Warschau im 15. Jahrhundert. Am damaligen Südtor der Stadt steht heute die Sigismundsäule. Rechts unten steht heute das Königsschloß / warszawikia [CC BY-SA 2.5]
Entlang der Straße stand den Juden eine Synagoge und ein rituelles Tauchbad, die Mikwe, zur Verfügung. Außerhalb der Stadt lag der jüdische Friedhof.

Die Juden waren von der städtischen Jurisdiktion ausgeschloßen und unterstanden dem persönlichen Schutz des Fürsten von Masowien. Demnach unterstanden sie auch der Laune eines jeden von ihnen.

Jüdisch-bürgerlicher Konkurrenzkampf

Das Leben der Juden in Warschau im 15. Jahrhundert ist nicht wirklich dokumentiert. Gewiß ist jedoch, dass es viele Konflikte gab zwischen der städtischen Bevölkerung und der prosperierenden jüdischen Gemeinde. Die Bürger wollten die Konkurrenten loswerden, um so ihren eigenen wirtschaftlichen Aufschwung beizubehalten. In den Jahren 1454-1455 kam es zu Pogromen, die von den Bernhardinern gesteuert wurden. Doch es kam noch schlimmer. 1483 mussten sie – der Fürst muss schlecht gelaunt gewesen sein – die Stadt verlassen und all ihr Hab und Gut zurücklassen. Erst 1486 durften sie zurückkehren. Der Entscheidungsträger war damals Fürst Bolesław V (ca. 1453-1488).

Die endgültige Vertreibung aus der Stadt

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Die letzten Fürsten von Masowien Janusz III. (links) und Stanisław (Mitte). Rechts im Bild steht deren Schwester Anna von Masowien

Mit dem Tod der letzten Fürsten von Masowien im Jahre 1525 wurde dieses Gebiet dem Königreich Polen einverleibt. Am 25. August 1526 kam der König von Polen Sigismund I. der Alte persönlich nach Warschau, um damit seinen Willen kundzutun, dass diese Ländereien nun ihm gehören.

Sigismund erließ 1527 das Privileg de non tolerandis Judaeis, welches den Juden auf immer und ewig verbot sich auf dem Gebiet der Alten wie Neuen Stadt niederzulassen, Eigentum zu besitzen oder sich gar hier aufzuhalten. Für die Bürger war es der endgültige Sieg im Kampf um die Einflüße in der Stadt. Eine Ausnahme gab es allerdings doch – während der Reichstage (Sejm), die seit 1569 in Warschau stattfinden sollten, durften sie sich in der Stadt aufhalten und Handel treiben so viel sie wollten.

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