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Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau

Beitragsinhalt

Einführung
Die Kirche

— Ursprünglicher Plan des Dachs

— Die Altäre

— Altar der Hl. Felicissima und Genoveva

— Altar des Heiligsten Sakramentes

— Weitere Altäre – linkes Schiff

— Weitere Altäre – Hauptschiff

— Weitere Altäre – rechtes Schiff

— Die Kanzel

— Zerstörungen während des 2. Weltkrieges

Die Jesusfigur
Eine zweite Kirche im Untergrund
Der Orden
Meilenstein für Polens Friedhofsleben
F. Chopin: Mein Herz gehört nach Warschau
Władysław Reymont
Die Sonntagsmesse im Radio
Kontaktdaten der Pfarrei
Bücherquellen
Weitere Quellen
Link zum Beitragsbild

Einführung

Sobald man – vom süden her kommend – die Prachtstraße Krakowskie-Przemieście betritt, sieht man schon von weitem auf der linken Seite die zwei Türme der Heilig-Kreuz-Kirche, welche für die Warschauer von großer Bedeutung ist. Ihr Verdienst um die Stadt wird sehr hoch gehalten. Mit dieser Kirche waren Persönlichkeiten verbunden, die in Polen jeder aus dem Schulunterricht kennt. Tadeusz Kościuszko, Józef Poniatowski, Stanisław Moniuszko, Frédéric Chopin, Johannes Paul II. oder auch der in Deutschland berühmte Maler Canaletto, dessen Bild mit der Kirche zu den schönsten und bekanntesten in Warschau gehört.

Die Kirche

Das erste Gotteshaus stand hier schon 1510. Es wurde erstmals in einem Bischofsbuch* Pro Capella S. Crusis in Varsovia erwähnt.  Viele Geschichtsschreiber bezeichnen die kleine Kirche oft als Kapelle. Das scheint aber letzten Endes keinen großen Unterschied zu machen.

*In dem Buch über diese Kirche steht księga biskupia. Es ist nicht ganz klar, was damit gemeint ist, daher wird es hier als Bischofsbuch übersetzt.

Schon im Jahre 1525 (in anderen Quellen auch 1520) stiftete die Witwe Marta Möller den Bau einer hölzernen Kirche an Stelle der kleinen Kapelle. In einigen Quellen wird auch angegeben, dass diese Kirche schon aus Stein war.

1615 haben der Bürgermeister Paweł Klucznik Zembrzuski und seine Frau Krystyna jene Kirche erneuern und zwei Kapellen anbauen lassen.

Während des polnisch-schwedischen Krieges (1655-1660) ist die Kirche abgebrannt. Der Übeltäter war der Fürst von Siebenbürgen Georg II. Rákóczi, welcher sich bei der Bekämpfung der Polen den Schweden angeschloßen hatte.

Die Priester und Brüder der Kongregation der Mission, die 1653 sowohl die Kirche als auch die Pfarrei erhielten, mussten noch lange warten, bis endlich der Bau eines neuen Hauses aus Stein errichtet werden konnte. Mit Unterstützung des polnischen Königs Jan III. Sobieski und zahlreicher wohlhabender Herren und Magnaten wurde schließlich am 24 Mai 1679 durch den königlichen Sohn Jakub der Grundstein gelegt. Der Bau dauerte bis 1756.

Zum Orden siehe unten unter „Der Orden“.

Das architektonische Projekt entwarf Józef Szymon Bellotti. Während seiner ganzen Tätigkeit von 1682 bis 1696 nahm er nicht einen Groschen für seine Arbeit.

Den Bau der Fassade und der zwei Türme begann Józef Fontana im Jahre 1727 und beendete sein Sohn Jakub Fontana 1756. Daran erinnert eine Gedenktafel über dem Eingang.

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Erinnerungstafel der Erhebung der Kirche zur basilica minor / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

2002 wurde die Kirche durch Johannes Paul II. zur basilica minor erhoben. Eine Erinnerungstafel hängt ebenfalls über dem Haupteingang über der Tafel zur Erinnerung an den Abschluß des Baus im Jahre 1756.

Ursprünglicher Plan des Dachs

Der reisende Fryderyk Schultz beschrieb die Kirche gegen Ende des 18. Jahrhunderts recht zurückhaltend. Über den Innenraum sagte er, dass er „eher dunkel als hell ist, die schweren Säulen, auf denen sich das Gewölbe stützt, verengen es unnötig und werfen einen Schatten auf die Seitenschiffe“. Er hatte nicht ganz unrecht. Doch zur Verteidigung der Architekten muss man erwähnen, dass der ursprüngliche Plan eigentlich vorsah eine große Kuppel zu errichten. Dann nämlich wäre das Innenleben der Kirche nicht so trist. Von der Kuppel haben die Architekten abgesehen, da sie Angst hatten, dass das Gewölbe das Gewicht nicht halten würde.

Die Altäre

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Hauptschiff der Hl.-Kreuz-Kirche in Warschau / Antoni Władyka [CC BY-SA]
Bis 1939 gab es in der oberen Kirche 7 Altäre, den Hauptaltar mitgerechnet. Den Krieg hat leider nicht ein einziger überstanden.

Im ersten Kriegsjahr schlug eine Bombe auf der Höhe der Kanzel ein und zerstörte die anliegenden Altäre sowie das Gemälde mit der Kreuzigung über dem Hauptaltar sowie das Bild des letzten Abendmahles im seitlichen Altar.

Die berühmtesten zwei sind die vorderen im linken wie rechten Schiff.

Altar der Heiligen Felicissima und Genoveva (von Paris)

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Altar der Hl. Felicissima in der Hl.-Kreuz-Kirche (rechts). Im Vordergrund die Kanzel / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Der Altar befindet sich im linken Schiff am nächsten zum Hauptalter. Er wurde 1704 von Tylman van Gameren entworfen. Erst 1902 wurde er mit Goldblättchen vergoldet. Mit diesem Altar hängt eine Geschichte zusammen, die sich 1697 in Warschau abspielte:

Johann III. Sobieski (Jan III Sobieski) war Wahlkönig von Polen von 1674 bis 1696. Nach seinem Tod sollte der versammelte Adel in Warschau den Nachfolger wählen. So lief das in Polen nun schon 1573. Während der Zeit ohne gewähltes Oberhaupt war der Primas von Polen der sogenannte interrex. In diesem Fall Michael Stephan Radziejowski (Michał Stefan Radziejowski). Er bekam von Papst Innozenz XIII. als Geschenk die sterblichen Überrest der Heiligen Felicissima. 1697 wurde sie in der Heilig-Kreuz-Kirche beigelegt. Sie sollte von nun an die Patronin der Glücklichen Königswahl sein. Für den Primas sollte das Glück vor allem seinem Kandidaten Francois Louis de Bourbon, Prinz von Conti, zukommen. Doch wie man es sich denken kann, kam es etwas anders. Zunächst wurde er tatsächlich von einem Teil des polnischen Adels am 27. Juni 1697 zum König von Polen gewählt. Doch konnte er sich nicht gegen seinen Mitstreiter August dem Starken aus dem Haus der Wettiner durchsetzen. Dieser warf ihn daraufhin aus seinen neuen Ländereien rasus und ließ sich als August II. auf dem Wawelberg in Krakau zum König von Polen krönen.

Viele Anhänger des Fürsten von Conti gingen schnell auf die Seite des neuen Königs über. Der Primas blieb stur und das quasi bis zu seinem Tod. Er ließ sich neben dem Altar der Hl. Felicissima beilegen. Sein Grabesdenkmal zeigt ihn, wie er ostentativ auf die Heilige zeigt.

Die Heilige selbst war für die Wahlen nicht so glücklich wie ihr Name vermuten lässt.

 

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Altar des Heiligsten Sakraments (Altar des Vaterlandes)

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Altar des Heiligsten Sakramentes / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Dieser Altar befindet sich im rechten Schiff am nächsten zum Hauptaltar. Er wurde schon Anfang des 18. Jahrhunderts von Tylman van Gameren entworfen, doch erst zweihundert Jahre später vergoldet. Er wurde erst in den Jahren 2004-2014 wiedererrichtet. Auf Bitte von Johannes Paul II. trägt dieser Altar den Namen Altar des Vaterlandes.

Weitere Altäre – Linkes Schiff vom Eingang Richtung Hauptaltar

  • Kapelle des Hl. Johannes Paul II. von 2014. Der Entwurf stammt von Bogusław Smyrski. Die Figuren wurden von Paweł Pietrusiński entworfen
  • Altar des Erzengels Gabriel
  • Altar des Heiligen Josef aus den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts. Das Gemälde wurde von Adolf Hyła geschaffen.
  • Bildnis des Heiligen Juda Thadhäus, gemalt von Pia Górska (1938)
  • Kapelle der Schwarzen Madonna von Tschenstochau
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Kapelle der Schwarzen Madonna von Tschenstochau / Antoni Władyka [CC BY-SA 2.0]

Weitere Altäre – Hauptschiff

  • Hauptaltar oder auch der Große Altar mit dem Gemälde der Kreuzigung von Jerzy Eleuter Szymonowicz-Siemiginowski in den Jahren 1695-1700 gemalt.. Das Bild wurde während des 2. Weltkrieges zerstört. Heute hängt nur noch die Kopie, welche in den Jahren 1968-1970 von Stanisław Komorowski und Maria Słoniowska-Ciechomska rekonstruiert wurde. Der Altar selbst wurde vom Holzschnitzer Matys Hankis im Jahre 1700 gefertigt. Die heutige Konstruktion stammt aus den Jahren 1960-1972 und ist ein Werk von Władysław Dziadkiewicz.

Weitere Altäre – rechtes Schiff vom Eingang Richtung Hauptaltar

  • Kapelle der Mutter Gottes von Katyń
  • Altar des Heiligen Rochus von Montpellier (św. Roch), ursprünglich aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
  • Altar des Heiligen Vinzenz von Paul aus den 30er Jahren des 18. Jahrhunderts. Im rekonstruierten Altar hängt das Originalbild von Szymon Czechowicz Die Predigt des Heiligen Vinzenz von 1730 (ca.)

Die Kanzel

Die Kanzel ist aus Stahl und hat wohl deshalb der Zerstörungswut des Krieges getrotzt. Ihr Autor ist Mikołaj Treter, ein Bruder des Ordens, welcher auch die Balustrade über dem Gesims entwarf. Die Kanzel stammt aus den Jahren 1698-1727.

Zerstörungen während des 2. Weltkrieges

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Die zerstörte Hl-Kreuz-Kirche 1945

Zunächst schlug 1939 eine Bombe auf der Höhe der Kanzel ein und zerstörte unter anderem das Gemälde über dem Hauptaltar sowie zwei Nachbaraltäre.

Während des Warschauer Aufstandes von 1944 wurde die Fassade unter Heranziehung von 2 Goliaths in die Luft gesprengt. Zusätzlich ging ein großer Teil der Innenausstattung verloren.

Im Januar wurde schließlich gezielt der zweite Turm der Kirche in die Luft gesprengt. Zeitgleich zerfiel auch die Seitenmauer.

Die Jesusfigur

Die Figur wurde 1858 vor dem Haupteingang zur oberen Kirche und über dem Eingang zur unteren Kirche aufgestellt. Geformt hat die Figur Andrzej Pruszyński. Anfangs war sie jedoch noch aus Zement. Erst 1898 wurde sie aus Bronze gegossen. Der Sockel, auf welchem sie steht, wurde von Stefan Szyller entworfen. Die goldene Inschrift lautet Sursum Corda (Empor die Herzen).

Eine zweite Kirche im Untergrund

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Die kleinere Kirche unterhalb der Hl.-Kreuz-Kirche / Adrian Grycuk [CC BY-SA 3.0 PL]

Es ist äußerst ungewöhnlich, doch steht die obere Kirche auf einer kleineren sich im Untergrund befindlichen Kirche. Der Eingang befindet sich unter der Jesusfigur vor dem Haupteingang. Früher wurde die untere Kirche nur einige Male im Jahr und vor allem in der Osterzeit geöffnet, denn hier errichtete man das Grab des Herrn.

Die Decke ist sehr niedrig und es fallen vor allem die hohe Anzahl an Säulen auf, die den Innenraum in Schiffe teilen.

Unter dem Hauptschiff verläuft ein langer Gang, an dessen Seiten sich Krypten mit zahlreichen Gräbern befinden.

Der Orden

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Vinzenz von Paul gemalt von Simon François de Tours (1606-1671) [allposters-wikimedia]

Die Pfarrei wurde 1626 vom Bischof Posens Jan Wężyk errichtet und schon am 1. Dezember 1653 samt Kirchengebäude an die Priester und Brüder der Kongregation der Mission übergeben. Die Kongregation als solche existierte erst seit 1625.

Dass die Brüder den Weg nach Polen gefunden haben, haben wir der polnischen Königin Ludwika Maria Gonzaga zu verdanken. Die aus Frankreich stammende Ehefrau des Königs Jan III. Kazimierz Wasa wollte so viel französische Kultur nach Polen bringen, wie nur möglich. Sie war auch bei der Herbeiführung der Visitantinnen (Orden der Heimsuchung Mariens) stark engagiert.

26414331989_6a37f359b3_tLesen Sie auch – Visitantinnen-Kirche in Warschau. Eine Perle des Barock

Der Gründer der Kongreation war Vinzenz von Paul (1581-1660), der am 16. Juni 1737 durch Clemens XII. heiliggesprochen wurde. Im deutschen Sprachraum nennt man die Brüder auch Lazaristen oder Vinzentiner. 

Das Ordenskürzel ist CM (Congregatio Missionis). 

Meilenstein für Polens Friedhofsleben

Es war ein gewohntes Bild. Praktisch an jedem Gotteshaus befand sich auch ein Friedhof. Doch irgendwann wurde es zu eng und es kam sogar vor, dass über die Leichen nicht ausreichend Erde geschüttet wurde, sodass Hunde und Katzen hier und da auch mal mit kleineren Gliedmaßen durch die Stadt umherschlenderten. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts hat man allmählich verstanden, dass die Friedhöfe mitunter ein Grund sind für die immer häufiger auftretenden Epidemien in den Städten. In Frankreich entschied man daher als erstes die Friedhöfe in den Städten zu verbieten und sie auf die Felder und Wiesen außerhalb der Städte zu verlegen.

Der älteste Friedhof in Warschau befand sich hinter der Johanneskathedrale in der Altstadt. Heute verläuft dort die Straße Kanonia.

Doch auch in Polen ging man trotz großer politischer Herausforderungen mit dem Geist der Zeit – zumindest in dieser Hinsicht. Am 23. August 1770 verfasste der Marschall der Krone (marszałek wielki koronny) Stanisław Lubomirski eine Denkschrift und schickte sie dem Kanzler der Krone (kanclerz wielki koronny) und zugleich Bischof von Płock Andrzej Młodziejowski, in welcher er überzeugend nahelegte, warum man die Friedhöfe aus den Städten vertreiben sollte. Obwohl die Idee auf harsche Kritik stieß, denn hatte man es hier mit einer jahrhundertealter Tradition zu tun (und alle wissen, welchen Wert Traditionen in Polen hatten und immer noch haben). Dennoch – der Bischof stimmte zu und zeigte hohes Verständnis, was man in heutigen Zeiten von der polnischen Kirche so nicht kennt. Ihm war es jedoch nicht gegönnt das positive Abschneiden des Kampfes zu erleben. Er verstarb 1779.

Und hier kommen die Lazaristen ins Spiel. Sie wollten nicht mehr auf eine nur schwer zu erwartende Lösung warten und legten 1781 außerhalb ihrer Kirche und auch außerhalb der Stadt den ersten Landfriedhof an. Am 9. August 1783 wurde er eingeweiht. Die Bevölkerung ließ sich jedoch nicht so leicht überreden ihre Familienmitglieder auf diesem Friedhof begraben zu lassen. Erst als der Bischof von Smoleńsk 1788 bekannt gab, dass er nach seinem Tod genau dort beigelegt werden möchte und diese Entscheidung in sein Testament eintragen ließ, folgte auch allmählich die einfache Bevölkerung.

Der Friedhof wurde 1859 beseitigt.

Frédéric Chopin: Mein Herz gehört nach Warschau

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Epitaphium Frédéric Chopins in der Hl.-Kreuz-Kirche / Antoni Władyka [CC BY-SA]

In der ersten Säule auf der linken Seiten des Hauptschiffes wurde der Behälter mit dem wohl berühmtesten Herzen Warschaus eingemauert. Daran erinnert die Inschrift des Epitaphiums:

Gdzie skarb Twój, tam i serce Twoje (Św. Mateusz VI.21)

Fryderykowi Chopinowi
Rodacy
Ur. 22 lutego 1810 r.
w Żelazowej Woli
Zm. 17 października 1849 r.
w Paryżu

Übersetzt: Wo Dein Schatz, da ist auch Dein Herz (Matthäus VI.21). Für F. Chopin – die Landsleute. Geboren am 22. Februar 1810 in Żelazowa Wola. Gestorben am 17. Oktober 1849 in Paris.

Der kleine Frédéric verbrachte auf der Krakowskie-Przedmieście-Straße seine Kindheit und Jugend, bis er schließlich im Jahre 1831 Warschau verließ und seitdem nie wieder gesehen hat. Entlang der Prachtstraße wurden 2010 zahlreiche spielende Bänke aufgestellt, die jeweils einen kleinen Abschnitt seines Lebens erzählen. In vielen Palästen und Mietshäusern lebte er mit seiner Familie und in nahezu jeder Kirche schlug er auf die Klavier- und Orgeltasten.

Seiner älteren Schwester sagte er vor dem Tod, dass er genau wisse, dass die Herrschaften in Moskau nicht erlauben werden, dass sein Leichnahm nach Polen (damals russische Provinz) gebracht wird. Daher wollte er, dass zumindest sein Herz nach Warschau kommt. Geträumt hat er von einem Grab neben seinem Vater und seiner jüngeren Schwester Emilia auf dem berühmten Powązki-Friedhof.

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Unterer Teil des Epitaphiums / Antoni Władyka [CC BY-SA]

Die Schatulle mit dem in Essig getränkten Herzen brachte Ludwika, seine ältere Schwester, schließlich 1850 nach Warschau. An der Grenze versteckte sie den Behälter aus Furcht vor der Grenzkontrolle unter ihrem Rock. Damals waren die Grenzkontrollen noch nicht so genau wie an heutigen Flughäfen.

Den Weg in die Säule fand das Herz erst am 1. März 1879. Die Brüder des Klosters hatten nämlich Bedenken, ob sich das Herz eines Menschen mit einem so stürmischen Leben in einer so heiligen Umgebung befinden sollte. Die russichen Herren beschlagnahmten das Herz nicht und ließen es dort, wo es sich bis heute – mit einer kleinen Unterbrechung – befindet. Das Epitaphium aus Carrara-Marmor wurde am 5. März 1880 enthüllt. Der Autor des Werks war Leonardo Marconi (1835-1899). Das ganze Unternehmen wurde nur durch die künstlerischen und finanziellen Bemühungen des Warschauer Musikvereins und seines damaligen Vorsitzenden Władysław Żeleński.

Die Unterbrechung erfolgte 1944 während des Warschauer Aufstandes. Die Deutschen ließen das Herz nach vorheriger Absprache mit den Klosterbrüdern herausnehmen, um, wie sie sagten, die Urne vor der eventuellen Zerstörung zu retten. Unerwartet übergaben sie diese sogar dem Bischof Antoni Szlagowski. Man vermutet darin ein Entgegenkommen von Erich von dem Bach, der die Aufgabe hatte den Aufstand niederzuschlagen. Die Geste bedeutet jedoch nicht viel, wenn man bedenkt, dass er über 180.000 Menschenleben und willkürliche Zerstörungen der prächtigsten Gebäude, Paläste und Kirchen auf dem Gewissen hat. Manche behaupten sogar, dass er so die Warschauer dazu bringen wollte, dass sie an der Seite der Deutschen gegen die anrückenden Russen kämpfen. Zynischer geht es kaum noch.

Władysław Reymont

Neben dem Herzen Frédéric Chopins befindet sich ein weiteres Herz eines berühmten Polen und Weltbürgers. Władysław Reymont ist 1867 in Kobiele-Wielkie geboren und am 5. Dezember 1925 in Warschau verstorben. Obwohl er auf dem Powązki-Friedhof als erster in der Allee der Verdienten begraben wurde, wurde sein Herz gesondert in der Kirche untergebracht. Władysław Reymont erhielt 1924 den Nobelpreis für Literatur.

Die Sonntagsmesse im Radio

Die erste Radioübertragung der Sonntagsmesse fand am 21. September 1980 statt und wird seitdem jeden Sonntag im Sender Polskie Radio wiederholt.

Während des August-Streiks von 1980 lautete eine der Forderungen, dass die Regierung die Übertragung der Sonntagsmesse im Radio gewährleistet und dieses mit dem Episkopat genau vereinbart (Rząd zapewni transmisję radiową niedzielnej mszy w ramach szczegółowego uzgodnienia z Episkopatem).

Heutzutage kann man weiterhin jeden Sonntag an der Messe via Radioübertragung teilnehmen. Die Übertragung beginnt um 9:00 Uhr im Sender Polskie Radio. 

Kontaktdaten der Pfarrei

Internetseite: www.swkrzyz.pl (nur auf polnisch)

Adresse: 

Parafia pw. Świętego Krzyża
ulica Krakowskie Przemieście 3
00-047 Warszawa
Telefon: +48 22 826 89 10
Email: skrzyz.waw@interia.pl

Bücherquellen

  • Bartoszewicz, Julian: Kościoły warszawskie rzymsko-katolickie opisane pod względem historycznym, Warszawa 1855, Drukarnia S. Orgelbranda przy ulicy Miodowej Nr. 495, S. 44-62 [polnisch].
  • Kollektivarbeit: Kościoły Warszawy, Warszawa 1982, 2. Auflage, Wydawnictwa Rady Prymasowskiej budowy kościołów Warszawy, S. 126-130 [polnisch].
  • Otrębski, Piotr: Echa dawnej Warszawy. Kościoły i kaplice, Warszawa 2017, S. 109-124 [polnisch], ISBN 97-883-638-422-91.
  • Solińska, Ewa: Tajemnice Chopina, Warszawa 2012, 2. Auflage, Oficyna Wydawnicza RYTM, S. 11-12 [polnisch], ISBN 978-83-7399-516-1.

Weitere Quellen


Beitragsbild: Heilig-Kreuz-Kirche an der Krakowskie-Przedmieście-Straße in Warschau / Adrian Grycuk [CC BY-SA 3.0 – wikimedia]

3 Kommentare zu „Heilig-Kreuz-Kirche in Warschau

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