warschau-friedhof

Powazki-Friedhof – eine Besichtigung

Beitragsinhalt

Führung mit A. Zolnierczyk
Tor der Hl. Honorata
— Autor
— Symbolik
— Name
Der Friedhof
Die Friedhofskirche
Allee der Verdienten
Gräber – eine Auswahl
— Die Eltern von F. Chopin
— Antoni Magier – der Wetterfrosch
— Ein „deutscher“ Wehrmachts-General
Zum Schluss noch ein paar Kunstwerke
— Der Geiger und seine Note
— Der Engel
— Eine Hand wäscht die Andere
Danksagung
Angebot

Führung mit A. Zolnierczyk

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Powazki – Arkadiusz Żołnierczyk

Am 06.11.2016 war ich nicht Stadtführer, sondern selber Gast einer bildenden Führung durch den schönsten Friedhof Warschaus. Mein Berufskollege Arkadiusz Żołnierczyk hat uns an jenem schönen Sonntag sein Wissen übermitteln wollen. Jetzt möchte ich Ihnen zumindest die schönsten Ecken des Friedhofs präsentieren. Wenn Sie anschließend mehr Lust auf die Entdeckung des Friedhofs bekommen, dann lade ich Sie herzlich ein sich bei mir zu melden, bevor Sie nach Warschau reisen. Dann verpassen Sie auch nichts.

Tor der Hl. Honorata

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Foto: Antoni Wladyka

Mindestens seit 1911 ist dieses Tor der Haupteingang des Friedhofs. Doch erst 1915 erhielt er die heute zu bewundernde Form. Henryk Landsberg stiftete der Stadt und seiner verstorbenen Frau diesen prächtigen Durchgang. Seine Trauer muss so groß gewesen sein, dass er nur einige Monate nach seiner Frau das Tal der Toten betreten hat. Eine wahrhaft romantische Geschichte.

Autor

Das Projekt für das Tor stammt von Leopold Wasilkowski, der damals schon durch andere Projekte Berühmtheit erlangt hat. Ausgeführt hat es die Bildhauerfirma Jan Rudnicki.

Symbolik

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Foto: Antoni Wladyka

Zu sehen ist ein Krieger, der einem römischen Legionär ähnelt.  In Wirklichkeit ist es ein sogenannter miles dei, ein Soldat Gottes. Er hält in seiner rechten Hand ein Schwert, dessen Griff die Form eines Kreuzes hat und mit der Inschrift IHS versehen ist. Es wird von einer Schlange umschlungen. In der linken Hand trägt er ein körpergroßes Schild, auf welchem die Dornenkrone, eine Speerspitze, das Auge der Vorsehung und eine Friedenstaube abgebildet sind. Was wollte uns der Künstler damit übermitteln? Recht einfach – Sie betreten nun das Tal des Todes – diese Statue soll Ihnen die Angst nehmen Denn – das Böse (=Schlange) wurde von den Kriegern Gottes (=miles dei) mit Gottes Hilfe (=Schwert, IHS) besiegt. Sie brauchen sich also nicht fürchten, obwohl Friedhöfe nicht vor Optimismus strotzen.

Name

Die Ehefrau von Henryk Landsberg hieß Honorata geb. Zwolinski Mieczyslaw Landsberg.

Der Friedhof

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Mit einer Fläche von 43 Hektar ist der Powazki-Friedhof fast so groß wie der Vatikan. Die Weihe fand am 25. Mai 1792 statt, wobei es damals gerade mal um die 2,5 Hektar waren. Nach insgesamt 19 Erweiterungen ist er zu dem Koloss geworden, der er heute ist. Zu erwähnen ist, dass an den katholischen Friedhof der jüdische, zwei evangelische und zwei islamische Friedhöfe anschließen und lediglich durch kleine Mauern getrennt werden. Es werden ca. 2,5 Millionen Gräber geschätzt. Dadurch, dass man nach jeder Erweiterung den dann folgenden Gräbern eine neue Anfangszahl verlieh, ist es heute nahezu unmöglich ein entsprechendes Grab zu finden. Entweder man weiss wo es ist, oder man stolpert drüber oder jemand sagt einem, wo es sich befindet. Schön also, dass es jemanden gibt, wie mich.

Die Friedhofskirche

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Foto: Antoni Wladyka

Die St-Borromäus-Kirche, welche sich unweit des Honorata-Tores befindet, wurde 1793 eingeweiht. Im 19. Jahrhundert sollte die Kirche ausgebaut werden, doch damals standen die polnischen Gebiete unter russischer Hochheit, sodass eine Anfrage nach St.-Petersburg geschickt werden musste. Die russische Verwaltung stimmte dem Ausbau nicht zu. Lediglich eine Renovierung wurde erlaubt. Die polnischen Architekten nutzten die Gunst der Stunde aus, rissen die Kirche ab und ließen lediglich die Frontfassade stehen. An diese wurde einfach der neue Anbau ergänzt und als die Russen nachfragten, hat man ihnen erklärt, dass nicht über Details der Renovierung gesprochen wurde. Dieser Tatsache haben wir es zu verdanken, dass eine würdige Kirche den berühmtesten Friedhof Polens überragt.

Allee der Verdienten

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Foto: Antoni Wladyka

Die Allee der Verdienten wurde 1925 eröffnet. Die berühmtesten und wichtigsten Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Sport und anderen Bereichen sollen einen besonderen Platz für Ihre letzte Ruhe bekommen. Den ersten Ehrenplatz erhielt Wladyslaw Reymont. Er erhielt in jenem Jahr den Nobelpreis für Literatur.

Gräber – eine Auswahl

Insgesamt stehen über 18.000 Gräber unter Denkmalschutz. Unser Friedhofs-Führer Arek würde uns sicherlich alle zeigen wollen. Es scheint also fast schwieriger eine sinnvolle Auswahl zu treffen. Ich muss abermals zusehen, dass mein Beitrag nicht zu lang wird. Ich kann Ihnen nur raten, diesen Friedhof auf den Besichtigungsplan zu nehmen. Sie werden begeistert sein.

Die Eltern von F. Chopin

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Foto: Antoni Wladyka

Frédéric Chopin ist auf dem Pariser Friedhof Pere Lachaise begraben, da den Russen 1849 ein Begräbnis eines so bekannten Polen nach zu viel Patriotismus roch. Also musste er für immer in Paris bleiben. Lediglich sein Herz wurde heimlich nach Warschau gebracht und befindet sich bis heute in der Heilig-Kreuz-Kirche auf der Prachtstrasse Krakowskie-Przedmiescie. Seine Eltern hingegen hatten das Glück in Warschau ihre letzte Ruhestätte zu erhalten.

Antoni Magier – der Wetterfrosch

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Im 19. Jahrhundert gab es noch keinen Fernseher, der einem sagte, wie denn das Wetter morgen sein würde. Es gab in Warschau jedoch eine Person, die so viel Wissen über Wetterprognosen gesammelt und analysiert hatte, dass  er stets gut vorbereitet war. Deshalb schauten die Warschauer immer nach, wie Antoni Magier angezogen war und ob er einen Regenschirm dabei hatte oder nicht.

Ein „deutscher“ Wehrmachts-General

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Foto: Antoni Wladyka

Die Überschrift mag sehr erstaunen, aber es stimmt. In gewißer Weise (deshalb die Anführungszeichen) ist hier ein Wehrmachtsgeneral begraben.  In Wirklichkeit war es ein Fake-General. Kazimierz Leski war polnischer Soldat und ein Kurier. Seine Aufgabe war es geheime Informationen zwischen der Untergrundorganisation und der Exilregierung in London zu überbringen. Am sichersten war es über Rumänien oder Italien nach Frankreich und weiter nach London zu reisen. Das kostete jedoch unheimlich viel Zeit, sodass Leski sich als Wehrmachtsgeneral einfach auf den Weg durch das Deutsche Reich aufmachte. Unterwegs erlebte er viele faszinierende Situationen und blieb den Polen auf diese Weise im Gedächtnis. Bei all den „witzigen“ Geschichten darf nicht vergessen werden – es gehört sehr viel Mut dazu, um so etwas bewerkstelligen zu können und es psychisch auzuhalten.

Zum Schluss noch ein paar Kunstwerke

Unsere Erkundungstour mit Arek dauerte insgesamt 2,5 Stunden. Dieser kleine Beitrag kann vom Inhalt also nur enttäuschen. Es gibt jetzt aber noch ein paar Fotos von Gräbern, die schon in die Sphäre der Kunst gehören.

Der Geiger und seine Note

Schauen Sie, wie diese beiden Gräber sich gegenseitig ergänzen. Ja, es sind zwei Verschiedene. Falls es jemand nicht sieht: Der Engel hält in seiner Hand eine Note und es sieht aus, als übergebe er sie dem Geiger.

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Foto: Antoni Wladyka

Der Engel

Einige Tage zuvor war Allerheiligen, was in Polen eine besonderes Fest ist. Auf meinem Stadtblog habe ich darüber berichtet (zum Beitrag)Diese Rosen auf diesem wunderschönen Grab waren ein echter Augenfänger, der fotografiert werden musste. Diese Farbe hat die Statue auch in Wirklichkeit. Sie sticht förmlich heraus.

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Foto: Antoni Wladyka

Eine Hand wäscht die andere

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Foto: Antoni Wladyka

Danksagung

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Foto: Antoni Wladyka

Obwohl Arek kein Deutsch spricht, möchte ich mich dennoch auf diesem Wege für die tolle Führung und die interessanten Fakten und Geschichten bedanken. Es hat wirklich vie Spass gemacht und meine Notizbücher gefüllt.

Angebot

Wenn also auch Sie Lust haben all diese Gräber vor Ort mit eigenen Augen zu bestaunen, interessante Geschichten aus dem Leben des vergangenen Warschaus zu hören und so die Warschauer Seele kennenzulernen, dann stehe ich gerne zur Verfügung. Natürlich gibt es noch viele weitere Sehenswürdigkeiten, die ich Ihnen nur ans Herz legen kann. Schauen Sie sich dazu meine Top-10 an und bei Fragen oder Anmerkungen können Sie mich jederzeit anschreiben oder einfach anrufen.

Ein Kommentar zu „Powazki-Friedhof – eine Besichtigung

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